Shallow-Rig: Flache Hechte und höchste Flexibilität - HechtundBarsch.de

Das Shallow-Rig: Warum es für grosse Hechtköder keine bessere Montage gibt

Das Dropshot-Rig: Eine Methode, die Sie kennen müssen Du liest Das Shallow-Rig: Warum es für grosse Hechtköder keine bessere Montage gibt 8 Minuten Weiter Der Fischereischein in NRW: Alles, was Sie wissen müssen

Hechte halten sich einen erheblichen Teil ihrer Zeit in extremer Flachwasserzone auf - und genau dort stösst der klassische Jighaken schnell an seine Grenzen. Ab einer bestimmten Hakengrösse wird die Montage nicht nur unpraktisch, sondern der lange Hakenschenkel versteift den Gummiköder so stark, dass dieser kaum noch natürlich spielt. Hinzu kommt: Jighaken beschleunigen die Beschädigung grosser Softbaits im Drill enorm, noch bevor die Hechtzähne ihren Teil dazu beitragen. Wechselmöglichkeiten sind beim Jighaken ebenfalls kaum gegeben. Das Shallow-Rig löst all diese Probleme auf einen Schlag - und das nicht nur im Flachwasser, sondern als flexible Basis für nahezu jede Gewässertiefe.

Schöner Hecht am Shallow-Rig

Schöner Hecht am Shallow-Rig. Quelle: Dennis Siever

Was ist denn nun dieses Shallow-Rig?

Das originale Shallow-Rig baut auf einer sogenannten Shallow-Screw auf - einer Spirale aus Edelstahldraht, die sicher in den Gummiköder eingedreht wird und an ihrem vorderen Ende eine robuste Öse trägt. Diese Öse ist der Ankerpunkt für das gesamte Hakensystem. Die Verbindung lässt sich entweder über einen Sprengring realisieren oder durch Klemmhülsen fest verschliessen. Letzteres setzt ein Hakensystem aus Stahl- oder Titandraht voraus, was jedoch keine zwingende Anforderung ist. Das Hakensystem selbst wird je nach Ködergrösse mit einem oder mehreren Drillingshaken bestückt - massgeblich beeinflusst durch Köderformat, persönliche Präferenz und die jeweilige Angelsituation.

Winterzander mit Perch Shad am Shallow-Rig im Maul

Nicht nur Hechte mögen Köder am Shallow-Rig. Quelle: Dennis Siever

Beschwerung am Shallow-Rig

In seiner Grundform arbeitet das System vollständig unbeschwert und nutzt ausschliesslich das Eigengewicht des Gummiköders. Das ermöglicht eine extrem flache Führung, sodass selbst grosse Softbaits über Wasserpflanzen oder durch knietiefen Flachwasserbereiche gezogen werden können, ohne die Vegetation unnötig zu beschädigen.

Pig-Shad am unbeschwerten Shallow-Rig

Pig-Shad am unbeschwerten Shallow-Rig. Quelle: Dennis Siever

Sobald eine tiefere Führung gewünscht wird, lassen sich in der Öse der Spirale Einhängegewichte befestigen, mit denen sich die Lauftiefe des Köders präzise steuern lässt.

Shallow-Rig mit #LMAB Tungsten Jika Sinker

Shallow-Rig mit #LMAB Tungsten Jika Sinker. Quelle: Dennis Siever

Neuere Systeme liefern Gewichte mit, die auf eine speziell geformte Öse aufgeschoben werden - ein komfortabler Ansatz, der das Handling weiter vereinfacht, jedoch kein Muss ist.

Shallow-Rig Beschwerung über Öse

Shallow-Rig mit anderer Beschwerungsvariante. Quelle: Dennis Siever

Die Komponenten des Rigs im Überblick

Shallow-Screw

Die Shallow-Screw ist das zentrale Bauteil des gesamten Systems. Gefertigt aus Edelstahldraht ist sie vollständig korrosionsbeständig und damit auch im Brackwassereinsatz ohne Einschränkungen nutzbar. So schlicht das Bauteil wirkt - bei der Auswahl der richtigen Screw gibt es durchaus relevante Unterschiede:

Im Wurf und im Drill lasten enorme Kräfte auf diesem unscheinbaren Teil.

Wenn ein Hecht der 15-Kilogramm-Klasse ausbricht und im Drill zu springen beginnt, muss die Screw diesen Belastungen standhalten. Viele günstige Modelle sind aus zu dünnem Draht gefertigt oder besitzen kein geschlossenes Öhr - sie können sich im schlimmsten Fall aufbiegen, was den Verlust von Köder und Hakensystem bedeutet. Zum Glück ist das bei modernen, qualitativ hochwertigen Screws eine Ausnahme.

Ebenso entscheidend ist die Steigung der Spiralwindungen. Passt sie nicht zum Gummiköder, reisst die Screw beim Drill aus und hinterlässt ein zylindrisches Loch im Material - ein klares Zeichen falscher Dimensionierung. Die Steigung sollte also weder zu gross noch zu klein sein.

Schliesslich gibt es Screws mit oder ohne Zentrierstift. Ein Zentrierstift erleichtert die symmetrische Montage des Köders erheblich - ohne ihn kann die korrekte Ausrichtung schnell zur Geduldsprobe werden. Mit Stift ist die Befestigung hingegen in wenigen Sekunden erledigt.

Hakensystem

Das Hakensystem ist der variabelste Teil des Shallow-Rigs. Ködergrösse, Köderform, die aktuelle Angelsituation und persönliche Vorlieben bestimmen hier den Aufbau. In hängerträchtigen oder stark verkrauteten Bereichen oder bei kleineren Ködern ist ein einzelner Drillingshaken oft die bessere Wahl.

Viele erfahrene Angler setzen selbst bei grösseren Ködern im Alltag nur einen Haken ein, um tief gehakte Hechte zu vermeiden. Da Hechte den Kopf eines Köderfisches bevorzugen, reicht ein einzelner Drilling auch bei einem 25 Zentimeter langen Köder häufig aus - und das Hakenlösen geht deutlich einfacher vonstatten.

Bei zögerlichem Biss, in Wettkampfsituationen oder bei sehr grossen Ködern kann ein zweiter oder dritter Drilling die Bissausbeute deutlich verbessern. Allerdings steigt damit auch das Risiko tief sitzender Haken beim Fisch sowie die Verletzungsgefahr beim Hakenlösen für den Angler selbst. Es muss also sorgfältig abgewogen werden, wann ein zweiter oder gar dritter Haken wirklich Sinn macht.

Bei Einsatz eines zweiten Hakens empfiehlt es sich, die Widerhaken anzudrücken, damit das Entfernen des Hakens - ob aus dem Fischmaul oder der eigenen Hand - unkomplizierter gelingt. Für die Verbindung der Haken untereinander und zur Screw stehen zahlreiche Varianten zur Verfügung: Stahl- oder Titandraht ebenso wie Mehrfachwirbel.

Der Aufbau aus Wirbeln bietet klare Vorteile. Einzelne Komponenten lassen sich bei Bedarf schnell tauschen - etwa wenn ein Haken stumpf geworden ist oder eine andere Grösse benötigt wird. Bei unbeschwerten Systemen wirken Wirbel als Kiel und stabilisieren den Lauf von Ködern, die zum Drehen neigen.

Zubehör zum Bau des Shallow-Rigs

Qualitätskomponenten zum Bau des Shallow-Rigs. Quelle: Dennis Siever

In sehr flachen Gewässerbereichen kann das Eigengewicht der Wirbel jedoch bereits zu viel sein - dann führt kein Weg an einem drahtbasierten System vorbei. Grundsätzlich gilt: Wo immer es die Bedingungen erlauben, ist ein System aus Mehrfachwirbeln die erste Wahl. Es dreht sich im Drill frei, verhindert Drallbildung im Draht und erschwert gehakten Fischen das Aussteigen. Die Einzelteile sind schnell ausgetauscht und Tönnchenwirbel unterliegen praktisch keinem Verschleiss. Nur wo es zwingend nötig ist, sollten Sie auf ein Hakensystem aus Draht zurückgreifen. Neben Haken, Sprengringen und Wirbeln bzw. Draht sollte das System im Idealfall auch Stinger Spikes enthalten, welche die Drillinge im Gummikörper in ihrer Position verankern. Beim Biss des Hechtes lösen sie sich aus dem Köder, sodass Hakensystem und Softbait sich trennen - der Fisch sitzt optimal und der Köder bleibt vor weiteren Schäden geschützt.

Einhängegewicht

Einhängegewichte für das Shallow-System sind aus Tungsten oder Blei gefertigt und verfügen am oberen Ende über eine Halterung - etwa einen Clip oder Bügel - die ein sicheres Einhängen ermöglicht, ohne dass das Gewicht bei Wurf oder Drill ungewollt verloren geht. Andere Systeme setzen auf geschlitzte Kugelgewichte, die auf das Rig aufgeschoben werden. Entscheidend ist in jedem Fall: Die Gewichte müssen sich am System rasch wechseln lassen, ohne dass dafür das Rig komplett zerlegt werden muss. Tungsten ist dabei klar das Material der Wahl - die höhere Dichte sorgt dafür, dass gleiche Gewichtsklassen kompakter ausfallen und den Köderlauf weniger beeinflussen. Ausserdem ist Tungsten ungiftig und damit eine umweltfreundliche Alternative zu Blei. Einige Hersteller bieten inzwischen weitere bleifreie Varianten an.

Bei welchen Ködern macht ein Shallow-Rig Sinn?

Für kleinere Gummiköder sind Jigköpfe oder Cheburashkas nach wie vor das Mittel der Wahl. Doch ab einer Körperlänge von ungefähr 17 Zentimetern beginnt das Shallow-System seine Stärken voll auszuspielen. Nach oben gibt es dabei kaum eine Grenze - technisch lassen sich Shallow-Rigs sogar für Köder von 40 Zentimetern Länge auslegen. In der Praxis liegt der Haupteinsatzbereich bei Hechtgummis zwischen 20 und 30 Zentimetern, wo ein herkömmlicher Jigkopf schlicht nicht mehr funktioniert - erst recht, wenn der Köder zusätzlich zur Länge auch ein erhebliches Volumen mitbringt.

Wie führe ich Köder am Shallow-Rig richtig?

Grundsätzlich unterscheidet sich die Führung kaum vom Einsatz grosser Gummiköder am Jigkopf. Beim Hechtangeln hat sich ein rhythmisches Durchleiern mit eingestreuten Rutenspitzen-Pulls und Spinnstopps bewährt, in denen der Köder kontrolliert absinkt. Die Länge dieser Pausen richtet sich nach dem montierten Gewicht. Stark beschwerte Systeme lassen sich darüber hinaus gezielt jiggen oder im Schlepp faul durch die Zone ziehen.

Hecht auf Gator Catfish am Shallow-Rig

Schöner Hecht am Shallow-Rig. Quelle: Dennis Siever

Anwendungshinweis

Beim ersten Aufbau eines Shallow-Rigs empfiehlt es sich, die Komponenten bereits zuhause vorzubereiten und mehrere fertig montierte Hakensysteme in verschiedenen Grössen in die Tackletasche zu legen. So können Sie am Wasser blitzschnell auf einen grösseren oder kleineren Köder wechseln, ohne wertvolle Angelzeit zu verlieren. Ein kleiner Sortimentskasten mit vorgefertigten Systemen ist auf jedem Hechtausflug Gold wert - besonders dann, wenn sich die Bedingungen spontan verändern.

Welche Gummifische funktionieren am Shallow-Rig?

Vor allem grosse und voluminöse Gummifische sind prädestiniert für die Montage am Shallow-Rig.

In der folgenden Auflistung finden Sie einige bewährte Favoriten für diese Montage:

  • Illex Dexter Shad 200 und 250
  • #LMAB KØFI Roach Shad 26 cm
  • #LMAB KØFI Perch Shad 23 cm
  • Noike Wobble Shad 7,5"
  • Abu Garcia Beast Paddle Tail
  • Gator Gum
  • Kanalgratis Fatnose Shad
  • Kanalgratis Hooligan Roach

Haken im Köder verankern beim Shallow Rig

Ein Beispiel, wie die Haken im Köder verankert werden können. Quelle: Dennis Siever

Zusammenfassung

Kein anderes Rig bietet beim Hechtangeln mit grossen Ködern eine vergleichbare Flexibilität. Durch den schnellen Wechsel der Einhängegewichte lässt sich der Köder in jeder beliebigen Tiefe präsentieren - ob im Freiwasser eines grossen Sees, in flachen Uferbereichen oder über Krautfeldern. Köder halten durch die schonende Montage länger, Hechte sitzen durch die optimierte Hakenpositionierung besser im Haken. Eine Liste ohne Gegenargumente. Und wie das grosse Finale im Alphabet, so sorgt auch am Shallow-Rig gelegentlich ein Zander für eine willkommene Überraschung.

Winterzander am Shallow-Rig

Dieser wunderschöne Nacht-Zander biss ebenfalls auf einen Köder am Shallow-Rig. Quelle: Dennis Siever

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