Die Seen liegen still, teils bedeckt von einer dünnen Eisschicht. Die Fische stehen tief am Grund und sind kaum zu aktivieren - sie schonen ihre Energie für bessere Zeiten. Genau jetzt stellt sich für viele Anglerinnen und Angler die entscheidende Frage: Womit sinnvoll die fischlose Zeit verbringen? Die Antwort liegt oft direkt vor Ihnen - nämlich in der Pflege Ihrer Ausrüstung. Im Verlauf der Saison nimmt man sich das immer wieder vor, doch im Eifer des Gefechts bleibt es beim guten Vorsatz. Dieser Beitrag zeigt Ihnen konkret, wie Sie Ihre Rute, Ihre Rolle und das restliche Tackle richtig pflegen und startklar für das neue Angeljahr machen.
Pflege der Rolle
Pflegeutensilien:
- Waschbenzin
- Seifenwasser
- Lappen
- Zahnbürste
Der erste Schritt gilt den beweglichen Teilen Ihrer Rolle. Damit Scharniere und Gelenke auch nach dem Winter noch butterweich laufen, tröpfeln Sie etwas Waschbenzin an alle relevanten Stellen: das Steigbügel-Scharnier, den Ansatz der Rollenkurbel und den Rollenhalter. So werden alte Rückstände gelöst und die Mechanik bleibt geschmeidig.
Wischen Sie anschliessend das überschüssige Waschbenzin mit einem sauberen Lappen ab. Für einen gepflegten Aussenauftritt nehmen Sie einen zweiten, leicht mit Seifenwasser angefeuchteten Lappen - der Lappen sollte dabei keinesfalls tropfnass sein - und polieren damit das Rollengehäuse. Abschliessend trocknen Sie die Rolle mit einem Handtuch gründlich ab.
Ein oft vernachlässigter Punkt ist die Rollenbremse. Sie reguliert den Schnurlauf und steht während der Saison unter ständiger Spannung. Die ruhigen Wintermonate sind der ideale Moment, der Bremse eine Art Erholungsphase zu gönnen: Drehen Sie die Bremse vollständig auf, damit das Material entlastet wird und die Bremse im kommenden Jahr noch präzise arbeitet.

Ruten-Blank und Korkgriff
Pflegeutensilien:
- Schleifpapier
- Seifenwasser
- Waschöl
- Lappen
- Kork-Kit
Ein abgenutzter Korkgriff muss nicht gleich ausgetauscht werden. Mit etwas feinem Schleifpapier schleifen Sie die oberste Korkschicht vorsichtig ab - das entfernt Verschmutzungen und oberflächliche Riefen, sodass der Griff wieder nahezu neuwertig wirkt.
Bei tieferen Schäden, Löchern oder grösseren Ausbrüchen im Kork greift man am besten zu einem Kork-Kit, das im Baumarkt erhältlich ist. Damit lassen sich die beschädigten Stellen sauber verspachteln.
Tipp:
Kein Kork-Kit zur Hand? Kein Problem: Raspeln Sie einfach den Korken einer Weinflasche in feine Partikel. Diese Raspeln mit Holzleim zu einer Paste vermengen und die Schadstelle damit ausfüllen.
Lassen Sie die Masse vollständig aushärten und schleifen Sie die Reparaturstelle anschliessend bündig. Den Blank der Rute reinigen Sie separat mit etwas Autopolitur oder Seifenwasser - das entfernt Salzrückstände, Schmutz und leichte Kratzer, und Ihre Rute erstrahlt wieder in neuem Glanz.
Korken kleinraspeln, mit Holzleim vermengen und die Löcher im Korkgriff auffüllen.

Ringeinlagen
Pflegeutensilien:
- Watte
- Nagelfeile/Sandpapier
- Lack
Selbst hochwertige Ringeinlagen können im Laufe der Zeit feine Kerben oder Risse entwickeln, die Ihre Schnur schleichend beschädigen und deren Tragkraft reduzieren. Da diese Schäden oft kaum sichtbar sind, hat sich der Wattetrick bewährt. Formen Sie ein Stück Watte zu einem weichen Strang, dessen Durchmesser genau so bemessen ist, dass er sich durch den Rutenring ziehen lässt und dabei die gesamte Einlagefläche berührt. Bewegen Sie den Wattestrang mehrfach vor und zurück. Bleibt die Watte an einer Stelle hängen oder franst sie aus, zeigt Ihnen das exakt, wo die Einlage Schäden hat.
Haben Sie die kritischen Stellen lokalisiert, greifen Sie zu einer Nagelfeile oder feinem Sandpapier und schleifen die beschädigte Zone behutsam aus. Damit die frisch bearbeitete Stelle nicht schutzlos bleibt, versiegeln Sie sie abschliessend mit einem geeigneten Lack.

Watte ist ein gutes Hilfsmittel, um kleinere Unebenheiten und Risse zu lokalisieren.
Damit sind Rute, Rolle und Ringe wieder voll einsatzbereit. Jetzt widmen wir uns dem restlichen Tackle.
Schnur
Sowohl monofile als auch geflochtene Schnüre verlieren durch anhaltende UV-Einstrahlung an Reissfestigkeit und Elastizität - sie werden spröde und unzuverlässig. Der beste Schutz ist simpel: Lagern Sie Ihre Schnüre abseits von Licht und Wärme. Ein geeigneter Ort ist beispielsweise der Keller, wo die Luft gleichmässig feucht und dunkel ist. Verstauen Sie die Spulen in einem lichtdichten Beutel oder einer Box, und Ihre Schnüre bleiben über den Winter in Top-Kondition.
Rostiges Eisen
Ein Blick in die Tacklebox fördert es immer wieder zutage: Blinker und Spinner, deren Haken oder Blätter von Rost befallen sind. Rost ist heimtückisch, denn er überträgt sich. Deshalb ist es sinnvoll, spätestens am Saisonende alle verrosteten Haken zu tauschen und durch scharfe, neue Exemplare zu ersetzen. Gleichzeitig sollten Sie Ihre Blinker und Spinner konsequent sortieren: Befallene Teile klar von rostfreien trennen und in separate Fächer legen. Selbst eine winzige Roststelle an einem einzigen Spinner kann bei Kontakt alle anderen Köder im selben Fach in Mitleidenschaft ziehen.
Anwendungshinweis
Bevor Sie mit der Pflege Ihrer Ausrüstung starten, lohnt es sich, alle Utensilien auf einem sauberen Arbeitstisch bereitzulegen und die einzelnen Komponenten geordnet voneinander zu trennen. Arbeiten Sie Schritt für Schritt und nehmen Sie sich die Zeit, jedes Teil einzeln zu begutachten. Nur wer seine Ausrüstung wirklich kennt, erkennt auch kleinste Schwachstellen - bevor sie beim nächsten grossen Drill zum Problem werden. Ein kurzes Pflege-Protokoll, in dem Sie notieren, was getauscht oder repariert wurde, hilft Ihnen dabei, den Überblick zu behalten und gezielt nachzurüsten.
Zusammenfassung
Die Schonzeit ist kein verlorener Zeitraum - sie ist eine Investition in die nächste Saison. Wer jetzt Rute, Rolle, Ringeinlagen, Schnüre und Köder sorgfältig pflegt und aufbereitet, geht im Frühling ohne Kompromisse ans Wasser. Das Schöne an all diesen Massnahmen: Sie benötigen dafür keine Spezialwerkzeuge oder schwer beschaffbares Material. Das meiste haben Sie bereits zu Hause, den Rest finden Sie im nächsten Baumarkt. Es lohnt sich.
Herzliche Grüsse, Ihr Josef.


























