Wer regelmässig mit Softbaits auf Raubfische wie Hecht oder Egli fischt, hat diesen Gedanken vermutlich schon einmal gehabt: Wie wäre es, einen Gummiköder nach den eigenen Vorstellungen herzustellen - in der Wunschfarbe, mit der idealen Form und dem perfekten Profil für den Lieblingsspot? Der Weg von der Idee zum fertigen Köder ist durchaus machbar, erfordert aber etwas Vorbereitung.
Dieser Artikel fasst praktische Erfahrungen, konkrete Tipps und häufige Fehlerquellen zusammen - ohne den Anspruch, ein Profi-Handbuch zu sein. Das Ziel ist vielmehr, Ihnen den Einstieg zu erleichtern und Sie zu ermutigen, selbst kreativ zu werden. Betrachten Sie diese Anleitung als soliden Ausgangspunkt für Ihre ersten eigenen Versuche.
Materialien und Werkzeuge
Bevor Sie die erste Form anmischen können, brauchen Sie das richtige Material. Einen Teil davon finden Sie möglicherweise bereits zu Hause, den Rest erhalten Sie im Baumarkt, im Kunstbedarfshandel oder über den Online-Handel.
Für die in diesem Artikel beschriebene Methode benötigen Sie folgende Materialien:
- 2 kg Silikon
- Pinsel und ein kleines Gefäss zum Anmischen des Harzes
- Plastisol oder alte Gummiköder
- Fimo oder Super Sculpey (Modelliermasse für den Rohling)
- Doppelseitiges Klebeband
- Schere
- Gefässe zum Anmischen des Silikons, zum Beispiel Messbecher
- Gefäss für den Formguss
- Mikrowelle
- Mikrowellengeeignetes Gefäss zum Erhitzen des Plastisols
- Atemschutzmaske (unbedingt erforderlich!)

Tipp:
Steigen Sie mit einer überschaubaren Materialmenge ein, um zunächst ein Gefühl für die Materie zu entwickeln. Ein Preisvergleich vor dem Kauf lohnt sich in jedem Fall.
Rohling herstellen
Sobald das Material bereitliegt, geht es an die eigentliche Arbeit: die Herstellung des Rohlings, der als Vorlage für Ihre spätere Silikonform dient.
Überlegen Sie zunächst, welchen Ködertyp Sie nachbauen oder neu entwickeln möchten. Skizzieren Sie Ihre Idee ruhig auf Papier, bevor Sie mit dem Formen beginnen.
Modell kneten oder schnitzen?
Für den Rohling in diesem Beispiel kommt Super Sculpey zum Einsatz - eine Modelliermasse, die sich hervorragend verarbeiten lässt und trotzdem ausreichend Stabilität bietet (Empfehlung von Krisztián, herzlichen Dank dafür).
Alternativ eignet sich auch Balsaholz oder PU-Hartschaum als Ausgangsmaterial, aus dem Sie den Köder schnitzen können. Diese Methode verlangt allerdings deutlich mehr Fingerfertigkeit und Sorgfalt beim Umgang mit dem Schnitzmesser.
Form und Grösse des Köders festlegen
Vor dem eigentlichen Formen steht die Entscheidung über Grösse, Volumen und Silhouette des Köders. Je nach gewähltem Profil messen Sie die entsprechende Menge Modelliermasse ab und beginnen, die Form schrittweise herauszuarbeiten.
Flossen lassen sich separat formen und anschliessend sorgfältig an den Körper ankneten. Zahnstocher, ein Messer oder ähnliche Hilfsmittel sind dabei sehr praktisch: Mit einer Messerklinge können Sie beispielsweise Kiemenspalten einritzen, mit einem Lutscherstiel lassen sich Augen eindrücken. Das Formen selbst ist mit etwas Übung weniger schwierig als erwartet und macht schnell Spass.
Ihrer Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt - allerdings gilt: Je filigraner ein Detail, desto schwieriger lässt es sich umsetzen und später aus der Form lösen.

Form für Gummiköder herstellen
Mit dem fertigen Rohling in der Hand folgt der nächste Schritt: der Bau der Silikonform, in die später das Plastisol gegossen wird. Als Behälter eignet sich eine einfache Kunststoffdose. Achten Sie darauf, dass der Boden möglichst eben ist und das Behältervolumen nicht unnötig gross ist - das spart Material.
Köder-Rohling befestigen
Schneiden Sie einen Streifen doppelseitiges Klebeband ab und kleben Sie diesen auf den Dosenboden. Befestigen Sie dann den Rohling mit dem Rücken auf dem Klebeband. Entscheidend ist dabei, dass zwischen Köder und Klebeband keinerlei Lufteinschlüsse entstehen. Beim Andrücken sollten Sie gleichzeitig darauf achten, die Form des Rohlings nicht zu verändern.
Form aus Silikon giessen
Jetzt kommt das Silikon zum Einsatz.
Wer möchte, kann statt Silikon auch Gips verwenden. Gips ist deutlich günstiger, in der Verarbeitung für Einsteiger aber anspruchsvoller.
Das verwendete Silikon wird im Verhältnis 1:1 gemischt, bis eine gleichmässige, cremige Masse entsteht. Rühren Sie sorgfältig, aber vermeiden Sie dabei das Einarbeiten von Luftblasen. Durch leichtes Schwenken des Behälters lassen sich die meisten Blasen wieder austreiben. Ist die Masse fertig vorbereitet, giessen Sie das Silikon langsam und gleichmässig vom Rand her in die Dose.
- Beide Silikon-Komponenten gründlich miteinander vermischen
- Den Rohling blasenfrei einkleben
- Das Silikon langsam an einer Stelle in das Behältnis eingiessen
Anschliessend heisst es Geduld haben: Das Silikon benötigt rund zwei Stunden, um vollständig auszuhärten.
Fertige Form entfernen
Um die ausgehärtete Form aus der Dose zu lösen, biegen Sie die Kunststoffwände behutsam nach aussen. Wo nötig, können Sie mit den Fingern oder einem Messer am Rand nachhelfen. Gehen Sie dabei behutsam vor, um die Silikonform nicht zu beschädigen.
Überschüssiges Silikon, das störend wirkt, lässt sich nach dem Entformen problemlos mit einer scharfen Rasierklinge oder einem Cuttermesser entfernen.

Die Form ist fertig - jetzt kann der eigentliche Guss beginnen.
Eigenen Gummiköder giessen
Für diesen letzten Arbeitsschritt sind Keramikschalen mit einer Ausgiessnase am besten geeignet. Tragen Sie beim Giessen unbedingt eine Atemschutzmaske und achten Sie darauf, sich am heissen, flüssigen Gummi nicht zu verbrennen.
Material: Alte Köder oder Plastisol
Füllen Sie entweder Plastisol oder zerkleinerte alte Gummiköderreste in die Keramikschale und erhitzen Sie diese bei mittlerer Stufe für ungefähr drei Minuten in der Mikrowelle.
Prüfen Sie die Konsistenz zwischendurch: Sobald das Material vollständig verflüssigt ist, kann es entnommen werden. Reines Plastisol wechselt dabei seine Farbe von milchig-weiss zu einem klaren Ton.
Farbe festlegen
Wenn Sie farbige Gummiköder herstellen möchten, ist jetzt der richtige Moment, um Farbpigmente oder Glitzerpartikel unter das flüssige Plastisol zu rühren.
Für einen Leuchteffekt im Dunkeln kann ausserdem etwas Phosphat beigemengt werden. Haben Sie die gewünschten Zusätze eingearbeitet, erhitzen Sie das Gemisch noch einmal kurz nach.
Gummi in Silikonform füllen
Giessen Sie das flüssige Gummi nun langsam und gleichmässig in Ihre Silikonform. Läuft dabei etwas über den Rand, ist das kein Problem - überstehender Gummi lässt sich nach dem Aushärten sauber mit einer Rasierklinge abschneiden.

Für mehrfarbige Köder bereiten Sie entsprechend mehrere Keramikschalen mit verschiedenen Farben vor und giessen diese nacheinander in die Form.
Abkühlen und Köder entnehmen
Lassen Sie die befüllte Form rund zehn Minuten abkühlen, bevor Sie den fertigen Köder behutsam herauslösen.
Anwendungshinweis
Selbst gegossene Gummiköder empfehlen sich besonders für gezielte Situationen: Wenn an einem bestimmten Spot eine ungewöhnliche Farbe oder ein spezifisches Grössenprofil gefragt ist, das der Handel nicht bietet, können Sie mit Ihren eigenen Kreationen gezielt reagieren. Testen Sie Ihre Eigenbauten zunächst in ruhigem, flachem Wasser, um zu beobachten, wie sich Schwimmlage und Aktion des Köders verhalten - erst dann geht es auf die Jagd nach Hecht oder Egli.
Letzte Feinheiten für den eigenen Gummifisch
Dem fertigen Köder können Sie abschliessend individuelle Details verleihen: Reizpunkte mit Leuchtfarbe setzen, ihn für zusätzlichen Flavour in Fischöl einlegen oder, wie in diesem Beispiel, 3D-Augen aufkleben.

Übrigens bietet ein stark zerbissener Köder gleich doppelten Nutzen: Das Gummi lässt sich einschmelzen und wiederverwenden, die 3D-Augen wandern auf den nächsten Eigenbau-Shad.
Übrig gebliebenes flüssiges Gummi können Sie beliebig oft erneut erhitzen und wiederverwenden - es muss nichts entsorgt werden.
Zusammenfassung
Gummiköder selbst zu giessen ist ein Hobby, das Geduld und ein gewisses Mass an Erfahrung voraussetzt. Die ersten Ergebnisse sehen selten professionell aus - das ist völlig normal und gehört zum Prozess dazu. Mit jedem Durchgang werden Formen sauberer und Köder überzeugender.
Der Materialaufwand zu Beginn ist nicht zu unterschätzen, besonders da erste Versuche häufig noch nicht das gewünschte Resultat liefern. Dennoch ist das Giessen eigener Köder ein lohnender Zeitvertreib, der sich gerade in den kälteren Monaten oder während der Schonzeit anbietet.
Die selbst gegossenen Köder werden demnächst am Wasser getestet - die Ergebnisse werden wir Ihnen nicht vorenthalten.
Wir hoffen, dass dieser Artikel Ihnen einen hilfreichen Einstieg ins Thema verschafft und Sie motiviert, Ihre eigenen Ideen auszuprobieren. Viel Erfolg beim Giessen!


























