Als Motorradreisender mit einem straffen Tourplan durch fünf europäische Länder klingt eine ausgedehnte Angeltour nicht gerade nach dem naheliegendsten Plan. Doch wer einmal weiss, dass Korsika auf der Reiseroute liegt, der fängt unweigerlich an zu recherchieren. Genau das ist passiert - und es hat sich gelohnt.
Braucht man für Korsika einen Angelschein?
Bereits im Vorfeld liessen sich einige wichtige Informationen zum Thema Angelerlaubnis zusammentragen, die für alle Reisenden relevant sein dürften:
Wer auf Korsika im Meer angeln möchte, benötigt dafür - wie überall in Frankreich - keinerlei Genehmigung. Anders sieht es beim Süsswasserangeln aus: Hier ist eine sogenannte carte de pêche zwingend erforderlich. Diese Lizenz erhalten Sie an offiziellen Verkaufsstellen sowie in zahlreichen Tabakläden auf der Insel. Wer den Papierkram am liebsten vorab erledigt, kann die Tages- oder Wochenkarte auch bequem online beantragen - praktisch, wenn man wie in diesem Fall bereits mit vollem Gepäck auf zwei Rädern unterwegs ist.
Welche Fische kann man auf Korsika angeln?
Das Angebot ist beeindruckend vielfältig. Im Mittelmeer rund um die Insel warten Dorade, Wolfsbarsch, Thunfisch, Meerforelle und Scholle auf fähige Angler - ein maritimes Artenspektrum, das kaum Wünsche offen lässt.
Doch auch der Süsswasserbereich hat Substanz: Hecht und Zander sind vorhanden, doch das eigentliche Highlight ist die Topografie der Insel selbst. Mit rund 50 Gipfeln über 2000 Meter Höhe entstehen Gewässer, die für Forellen und Flussaale geradezu massgeschneidert wirken. Schwarzbarsche hingegen - auf der südlich gelegenen italienischen Nachbarinsel Sardinien in grossen Beständen vertreten - scheinen auf Korsika nicht heimisch zu sein.
Entscheidung für Süsswasser
Der Stauraum eines Motorradkoffers ist endlich. Eine klare Priorisierung war deshalb unumgänglich. Mangelnde Erfahrung im Mittelmeertrolling, die Frage nach einem geeigneten Boot sowie das schiere Volumen eines meerestauglichen Setups sprachen klar für eine andere Wahl: Forellen in den Bergen Korsikas. Die Entscheidung war gefallen.
Welches Equipment für Korsika?
Das Gepäck musste schlank bleiben. Für Toni und seinen Bruder Luis wurde eine kompakte Kunstköderbox zusammengestellt und kurzfristig noch zwei leichte Teleskopruten besorgt, die sich problemlos im Motorradkoffer verstauen liessen. Dann ging die Fahrt los: quer durch Deutschland, über das Timmelsjoch, durch Norditalien bis nach Savona bei Genua, wo die Fähre wartete. Nach der Überfahrt folgten noch einige Stunden auf traumhaften Küstenstrassen entlang der korsischen Küste bis nach Cargèse - der Basislager für die kommende Woche.
Flüsse fürs Forellenangeln
Die Vorrecherche hatte zwei Namen hervorgebracht: die Sagone und die Liamone. Konkrete Spots waren in keiner Quelle zu finden, und auch die Einheimischen hielten sich bedeckt. Nicht überraschend - schliesslich ist das Schweigen über die besten Stellen kein rein korsisches Phänomen. Wer selbst am Wasser unterwegs ist, kennt diese Zurückhaltung bestens.
Also hielten Toni und Luis bei den gemeinsamen Tagestouren mit ihren Partnerinnen die Augen konsequent offen. Bald schon zeichneten sich vielversprechende Strukturen ab - besonders an der Liamone.
Natürliche Whirlpools: Forellenparadies?
Oberhalb von Vico, hoch in den Bergen, staut sich die Liamone nahe einer Brücke in natürlichen Felsenbecken zu plateauartigen Wasserbecken - ein beliebter Badespot für Einheimische und Touristen gleichermassen. Mehrere Besuche machten deutlich: Zum Angeln ist dieser Abschnitt zu belebt. Doch die Struktur schrie förmlich nach Forellen. Der Beschluss war klar - man würde zurückkommen, früh genug, um eine ruhige Stelle für sich zu haben.
Am letzten Tag des Korsika-Aufenthalts war es soweit. Mit den Motorrädern hinauf zur Brücke bei Vico, dann zu Fuss weiter - teils im Flussbett watend, teils über Felsen kletternd. Nach etwa zwanzig Minuten hatten die beiden den Fluss ganz für sich. Die Ruten wurden ausgepackt, und systematisch wurde die Liamone von unten nach oben befischt.
Das Wasser war aussergewöhnlich klar. Schnell wurden Flussaale und erste, kleinere Forellen sichtbar - sie standen ruhig im Schatten von Felsvorsprüngen, gegen die Strömung gerichtet. Die Begegnung schien zum Greifen nah.
Welche Köder für Bachforellen?
Luis setzte von Anfang an auf seine bewährten Salmo Hornet Wobbler, mit denen er in Norwegen wie auch in Österreich bereits starke Forellen gefangen hatte. Toni hingegen wechselte in kurzer Abfolge durch sein gesamtes Sortiment: Wobbler, Spinner, Gummifische, Gummiinsekten - die Forellen reagierten auf nichts davon. Im Gegenteil: Wurde ein Köder zu nah präsentiert, wichen sie kurz aus, nur um unmittelbar danach auf ihre angestammten Positionen zurückzukehren.
Langsam schlich sich Zweifel ein. Hätte man auf Naturköder setzen sollen?
Braucht die französische Forelle vielleicht etwas Natürliches: Würmer, Grashüpfer - oder doch etwas Käse und Rotwein?
Luis begann, unter Steinen nach geeigneten Naturködern zu suchen. Ohne Erfolg.
Anwendungshinweis
In klaren Gebirgsbächen wie der Liamone reagieren Bachforellen oft extrem scheu auf überdimensionierte oder zu schnell geführte Köder. Bewährt hat sich hier die Kombination aus einem kleinen, schlanken Spinner in Grösse 1 oder 2 und einer langsamen, unregelmässigen Führung direkt entlang von Felsstrukturen und Unterständen. Werfen Sie möglichst weit oberhalb des Standes ein und lassen Sie den Köder mit der Strömung treiben, bevor die Aktionsphase beginnt. So kommen Sie auch bei extrem aufgehelltem Wasser nah genug an scheue Fische heran, ohne sie vorher zu verschrecken.
Ausprobieren und abwarten
Zwei Stunden aktives Angeln - das ist für Forellen keine lange Zeit. Die Stimmung liess sich davon ohnehin nicht trüben. Wer mit seinem Bruder an einem der schönsten Orte Europas steht, das Sonnenlicht von oben und das kühle Gebirgswasser von unten spürt, den bringt ein zurückhaltender Fischbestand nicht aus der Fassung.
Sie marschierten weiter flussaufwärts und befischten Stelle für Stelle. Die Zeit drängte allmählich - der Rückweg und ein letztes Abendessen an der Bucht waren fest eingeplant. Also wurde vereinbart, noch genau zwei weitere Abschnitte zu befischen und es dann dabei zu belassen.
Grosse Forellen: Erfolg!
Auf dem letzten Plateau des Tages blitzte etwas Grosses silbern im Wasser auf. Ein Mepps Spinner, präzise platziert - und sofort war die Rute krumm gebogen. Toni kämpfte den Fisch mit voller Konzentration aus dem Wasser, Luis stand bereit zum Landen. Das Ergebnis: 58 Zentimeter - Tonis absoluter Persönlichkeitsrekord. Nach einem schnellen Foto kam die Forelle schonend zurück ins kühle Wasser.
Toni war der Ansicht, dies sei der ideale Schlusspunkt. Luis sah das naturgemäss anders.
"Komm, das Becken oberhalb fischen wir noch 15 Minuten ab, dann gehen wir, versprochen!"
Schwer zu widersprechen. Sie kletterten weitere 50 Meter flussaufwärts. Toni empfahl, es ebenfalls mit einem Spinner zu versuchen - Luis blieb standhaft bei seinem Wobbler. Nach wenigen Würfen bog sich seine Rute gewaltig durch. Geduldig wurde der Fisch eingeholt, und auch diesmal hielt das Glück: 61 Zentimeter, die grösste Forelle, die Luis je an der Rute hatte.
Rückweg und bleibende Erinnerungen
Der Lieblingsforellenwobbler wurde sorgfältig abgemacht, der Fisch zurückgesetzt. Ein Blick auf die Uhr - keine Zeit mehr zu verlieren. Das Equipment verschwand im Rucksack, auch um der Versuchung weiterer Würfe zu entgehen. Im Laufschritt ging es flussabwärts, vorsichtig über die rutschigen Felsen, bis die Brücke wieder in Sicht kam. Auf die Bikes, die Bergstrasse hinunter - und irgendwie schafften es beide pünktlich zum letzten Abendessen. Ein Tag, den weder Toni noch Luis so schnell vergessen werden.
Zusammenfassung
Unbekanntes Gewässer verlangt Geduld und Flexibilität. Zweifel kommen schneller als zuhause - das ist völlig normal. Doch Angeln bleibt in erster Linie eine Frage der Ausdauer, egal wo auf der Welt man den Köder ins Wasser wirft. Beim nächsten Korsika-Besuch steht das Meeresangeln auf dem Programm: Fotos von lokalen Fischern haben die Lust auf Mittelmeertrolling bereits geweckt. Korsika empfiehlt sich jedenfalls weit über die Angelei hinaus als Reiseziel - eine Insel, die man gesehen haben sollte.
Tight lines,
Toni


























