Kaum ein Thema sorgt in der Raubfischszene für so anhaltende Diskussionen wie die Frage nach dem richtigen Gerät beim Spinnfischen. Dieser Beitrag widmet sich einigen grundlegenden Prinzipien, die jedem angehenden Raubfischangler helfen, möglichst effizient und ohne unnötige Frustration Fisch zu machen. Dabei werden Sie feststellen, dass ich bewusst einen anderen Weg einschlage als viele gängige Profi-Ratgeber, denn gerade Einsteiger müssen oft einen Spagat zwischen maximalem Angelspass und begrenztem Budget meistern.
Rute
Zur Rute möchte ich mich an dieser Stelle bewusst kurzfassen, da dieser Themenbereich so umfangreich ist, dass er einen eigenen, ausführlichen Artikel verdient.
Für mich persönlich ist die #LMAB Custom Rod mit einem Wurfgewicht von 5-35 Gramm seit geraumer Zeit gesetzt, weil sie für Egli, Hecht und Zander gleichermassen einsetzbar ist. Ihre Empfindlichkeit reicht aus, um selbst feinste Egli-Bisse zu registrieren, und trotzdem bringt sie genug Rückgrat mit, um auch einen Meterhecht souverän durch den Drill zu führen. Neben einer präzisen Spitzenaktion, einer ausgewogenen Gewichtsbalance und hochwertigen Ringen steht für mich persönlich vor allem eines im Vordergrund: die Bisserkennung.
Wichtig: Gute Bisserkennung
Das Ziel sollte stets sein, einen echten Biss sicher von einem Kontakt mit einem Unterwasserhindernis unterscheiden zu können. Neben Erfahrung und Feingefühl lässt sich bereits bei der Gerätewahl eine wichtige Weichenstellung vornehmen, und diese beginnt bei der Rute selbst. Wer sich wünscht, dass sich die Rute nach einiger Zeit wie ein verlängerter Arm anfühlt, der sollte konsequent einen Bogen um unpräzise „Wackelruten" machen. Mit solchen landet man zwar gelegentlich einen Hecht, aber eben nur dann, wenn sich dieser den Köder vollständig ins Maul gezogen hat. Eine straffe, feinfühlige Rute hingegen versetzt Sie in die Lage, auch sehr zaghafte Bisse sicher wahrzunehmen und den Anhieb innerhalb weniger Zehntelsekunden zu setzen.
Vergessen Sie nie: Jeder Angler durchläuft einen langen Lernprozess, und Qualitäten wie die Bisserkennung wachsen oft erst über viele Erfahrungen. Mit jedem versäumten Fisch lernt man dazu, und die Wahrscheinlichkeit, den nächsten Räuber sauber zu haken, steigt messbar.
Rolle
Kommen wir nun kurz zur Rolle. Ich weiss, dass viele erfahrene Angler an dieser Stelle widersprechen werden, aber mein Rat an alle Einsteiger lautet klar:
Ist das Budget knapp, muss es nicht zwingend eine Premiumrolle von Anfang an sein.
Die günstigeren Modelle namhafter Hersteller sind für den Einstieg absolut ausreichend. Die Sienna und die Catana von Shimano gelten wegen ihres fabelhaften Preis-Leistungs-Verhältnisses seit Jahren als die beliebtesten Einsteigerrollen auf dem Markt.
Entscheidend ist, dass eine Rolle über eine zuverlässige Bremse und ein solides Verarbeitungsniveau verfügt, damit Sie im entscheidenden Moment des Drills nicht im Stich gelassen werden. Von No-Name-Produkten rate ich daher ausdrücklich ab. Die meisten Einsteiger, die ich kenne, fischen über Jahre mit bewährten Einsteigermodellen und sind damit vollkommen zufrieden, bis die eigenen Ansprüche mit wachsender Erfahrung steigen.
Ich selbst habe sehr lange die Shimano Aernos befischt, eine hervorragende Rolle aus dem mittleren Segment.
Schnur und Vorfach
Hier komme ich zu dem Bereich, der mir in diesem Artikel am meisten am Herzen liegt: Schnur und Vorfach sowie deren Tragkräfte. Gerade unter Spinnfisch-Neulingen herrscht in diesem Segment besonders viel Unsicherheit.
Hauptschnur
Starten wir mit der Hauptschnur. Als überzeugter Verfechter einer optimalen Bisserkennung kommt für mich beim Raubfischangeln nur geflochtene Dyneema-Schnur infrage. Die entscheidende Frage ist: Welche Stärke ist die richtige? Zu diesem Punkt existieren beinahe so viele Meinungen wie es Spinnfischer gibt.
Grundlegend ist zunächst festzuhalten, dass Ihre Schnur, Ihr Vorfach und sämtliche weiteren Tackle-Komponenten unbedingt ausreichend Tragkraft aufweisen müssen, um Schnur- oder Materialbruch zuverlässig zu verhindern. Eine unterdimensionierte Ausrüstung ist nicht waidgerecht und kann zum qualvollen Tod eines Fisches führen.
Gleichzeitig gilt: Jede Schnur und jedes Vorfach entfalten eine gewisse Scheuchwirkung auf den Fisch, die umso geringer ausfällt, je dünner und damit weniger sichtbar die eingesetzten Materialien sind.
Einsteigern empfehle ich, die Schnurstärke den Bedingungen am Hausgewässer anzupassen. Würde man rein das Körpergewicht eines kapitalen Zielfisches wie des Hechts als Massstab nehmen, würde beim Spinnfischen eine Tragkraft von rund 6 kg rechnerisch genügen. Das entspricht bei einer geflochtenen Schnur einem Durchmesser von 0,10 mm, was für einen erfahrenen Angler mit exakter Geländekenntnis ausreichend sein mag. Anfängern und Anglern, die eine universelle Schnur für verschiedene Einsatzgebiete suchen, rate ich von einer derart knapp kalkulierten Tragkraft jedoch dringend ab.
Hänger
Die Tragkraftangabe wird nämlich bei einem ganz anderen Problem relevant: dem Hänger. In Gewässern mit hohem Hängerpotenzial sowie an unbekannten Spots ist ein kräftiger ausgelegtes Setup klar im Vorteil.
Hänger können über Spass oder Frust an einem Angeltag entscheiden. Eine geflochtene Schnur bietet, sofern sie die nötige Tragkraft mitbringt, reelle Chancen, einen festgehakten Köder wieder zu befreien. Sei es durch das klassische „Spannen und Zurückschnellen" bei festen Hindernissen wie Steinen oder Wurzeln, oder durch gezogenes, kräftiges Ziehen bei Krauthindernissen.
Letztlich ist das Kernziel eines Einsteigers, nicht bei jedem Hänger die gesamte Montage oder gar einen Teil der Hauptschnur zu verlieren. Und Hänger gehören für Neulinge, je nach Gewässer, schlicht zum Alltag.
Kräftigere Schnur: Die bessere Wahl
Es gibt noch einen weiteren Grund, warum der Griff zur stärkeren Schnur die klügere Wahl sein kann: Geflochtene Schnüre sind im Verhältnis kostspielig, weshalb es für die meisten Angler keine praktikable Option ist, für jeden Einsatzbereich eine separate Schnur vorzuhalten. Wer eine einzige Schnur für möglichst viele Situationen nutzen möchte, sollte nach meiner Einschätzung zu einer soliden Dyneema mit 10 bis 12 kg Tragkraft greifen.
Dabei gilt es jedoch im Hinterkopf zu behalten, dass Abrieb die Tragkraft einer Schnur erheblich reduzieren kann. Besonders der unmittelbar am Schnurende liegende Abschnitt wird beim Auswerfen, Einholen oder im Drill regelmässig beansprucht und beschädigt. Das Abschneiden der letzten 70 cm der Schnur alle paar Monate, abhängig vom sichtbaren Abriebgrad, schafft an dieser Stelle wirksam Abhilfe.
Vorfach
Ebenso verdient die Wahl der richtigen Vorfachstärke besondere Aufmerksamkeit. Die Tragkräfte der einzelnen Komponenten Ihrer Montage sollten so abgestimmt sein, dass die schwächste Stelle unmittelbar vor dem Köder sitzt, oder dass die gesamte Konstruktion stark genug ist, damit sich bei einem Hänger der Haken aufbiegen kann. In beiden Fällen verlieren Sie nicht Ihre vollständige Montage. Trotzdem sollte die Scheuchwirkung nicht vernachlässigt werden: Ein an die Gewässerfarbe angepasstes Mittelmas ist hier der richtige Ansatz.
Handlungsempfehlungen
Als konkreten Abschluss gebe ich Ihnen eine praxisnahe Einsteiger-Empfehlung für eine einfache Hechtmontage mit den jeweiligen Tragkräften an die Hand:
- Als Hauptschnur empfehle ich eine geflochtene Dyneema mit 0,15 mm Durchmesser (ca. 10-12 kg Tragkraft).
- Snap und Wirbel zwischen Hauptschnur und Vorfach sollten ebenfalls ca. 10 kg tragen.
- Das flexible, geflochtene 7x7 Stahlvorfach trägt entweder ca. 6-7 kg (0,27 mm), wenn Sie in klarem Wasser fischen und die Scheuchwirkung gering halten möchten, oder ca. 10-12 kg (0,36 mm), wenn trübes Wasser oder erhöhtes Hängerpotenzial eine robustere Lösung erfordern.
- Der letzte Snap unmittelbar vor dem Köder sollte bewusst weniger Tragkraft aufweisen als jede andere Komponente der Montage, um dort eine Sollbruchstelle zu schaffen, sofern nicht ohnehin der Haken zuerst nachgibt.
Ich bin mir bewusst, dass die hier genannten Tragkraftwerte bei manchem selbsternannten Angelexperten für Kopfschütteln sorgen werden. Mir liegt es jedoch am Herzen, abseits starrer Konventionen echte Praxisempfehlungen zu formulieren, die Einsteigern wirklich weiterhelfen. Abschliessend sei noch darauf hingewiesen, dass alle Angaben zu Tragkräften nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn die richtigen Knoten und Quetschverbindungen fachgerecht angewendet werden. Dazu folgt von mir in Kürze ein eigener Beitrag.
Bis dahin wünsche ich Ihnen ratternde Rollen! Bis bald!
Ihr Daniel































