Kann man in Deutschland ohne Angelschein angeln? - HechtundBarsch.de

Angeln in Deutschland: Was Sie über Angelschein und Fischereirecht wissen müssen

Farbwahl beim Angeln mit Gummifischen: Was Sie wirklich wissen müssen Du liest Angeln in Deutschland: Was Sie über Angelschein und Fischereirecht wissen müssen 5 Minuten Weiter Raubfischangeln in Berlin: So überbrücken Sie die Schonzeit sinnvoll

Liebe Leserinnen und Leser,

Vor zwölf Jahren wechselte ich als Golftrainer meinen Wohnsitz von London nach Berlin. Dass ich damit in einem der interessantesten Angelreviere Europas gelandet war, ahnte ich damals nicht im Entferntesten. Die ersten Monate verbrachte ich damit, mein neues Leben in der Stadt zu organisieren. Mit der Zeit knüpfte ich jedoch festere Kontakte und lernte dabei unvermeidlich einen passionierten Angler kennen.

Einfach losangeln: Geht nicht

Er schilderte mir lebhaft, wie er an Wochenenden regelmässig Hechte, Karpfen und Zander aus den Berliner Gewässern holte. Die Vorstellung, dass eine Grossstadt wie Berlin solche Angelmöglichkeiten bieten soll, begeisterte mich sofort. Kurzerhand fragte ich ihn, wann wir gemeinsam ans Wasser fahren würden. Seine Reaktion fiel jedoch deutlich nüchterner aus, als ich erwartet hatte:

„Junge, du machst erst mal deinen Angelschein. Vorher angelst du hier gar nicht, mit Schwarzangelei ist nicht zu spaßen!"

Ein Schein zum Angeln? War das ernst gemeint? In meiner Heimat Simbabwe existiert so ein Konzept schlicht nicht. Wer eine Angel besitzt, angelt — wer ein Boot hat, fährt damit. Die Vorstellung, für dieses Hobby erst eine Prüfung ablegen zu müssen, war für mich anfangs schlicht unvorstellbar. Doch er meinte es vollkommen ernst, und so machte ich mich daran, mich über die deutsche Rechtslage zu informieren.

Diese Übersicht richtet sich an alle Anfänger, Urlaubsangler und Zugezogenen, die sich früher oder später mit genau diesen Fragen auseinandersetzen werden.

Welche Scheine gibt es?

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass für das legale Angeln in Deutschland zwei unterschiedliche Scheine erforderlich sind:

Fischereischein

Der Fischereischein wird in der Regel über eine erfolgreich bestandene Anglerprüfung erworben. Im Anschluss daran stellt das zuständige örtliche Fischereiamt den Schein offiziell aus.

Interessant dabei: Es ist nicht zwingend notwendig, die Prüfung im eigenen Bundesland abzulegen. Wer also einen vorgeschriebenen Vorbereitungslehrgang umgehen möchte, kann dies strategisch nutzen — in Brandenburg etwa kann man mit Prüfungsfragen und Simulationen auf eigene Faust lernen und dann direkt zur Prüfung antreten (zum Beispiel in Potsdam). Den Fischereischein selbst lässt man sich anschliessend am Fischereiamt des eigenen Wohnortes ausstellen (etwa in Berlin) und entrichtet dort auch die jährlich anfallende Fischereiabgabe.

Erlaubnisschein

Der Erlaubnisschein, häufig auch als „Angelkarte" bezeichnet, ist gewässerspezifisch und zeitlich befristet. Er kann über Angelvereine, Angelshops oder andere autorisierte Ausgabestellen erworben werden. Wer für ein bestimmtes Gewässer ausgabeberechtigt ist, lässt sich in der Regel rasch herausfinden. Einen umfassenden Überblick über Berliner Gewässer und die jeweiligen Angelkarten bietet beispielsweise der Blog von Angeljoe — alle dort aufgeführten Karten sind im Laden erhältlich.

Auf den Angelkarten finden Sie ausserdem die gewässerspezifischen Vorschriften. Wichtig zu wissen: Es gibt durchaus auch Gewässer, für die kein Erlaubnisschein notwendig ist. An der Hamburger Elbe etwa genügt bereits der Fischereischein als Angelberechtigung.

Voraussetzungen zum Angeln im Überblick

Zusammenfassend lässt sich der Weg so beschreiben: Sie legen einmalig eine Anglerprüfung ab, lassen sich damit den Fischereischein ausstellen, bezahlen jährlich die Fischereiabgabe und erwerben für das jeweilige Gewässer eine zeitlich befristete Angelkarte. Sind diese Schritte erledigt, steht dem legalen Angeln nichts mehr entgegen.

Nun aber zur Frage, die viele blutigen Einsteiger wirklich beschäftigt:

Ist es möglich, in Deutschland legal zu angeln, ohne dafür eine Prüfung (ggf. plus Lehrgang) abzulegen?

Viele Menschen haben die Angelleidenschaft im Ausland oder im Urlaub entdeckt und wissen daher bereits gut einzuschätzen, ob sich der Aufwand für den Fischereischein lohnt. Anderen fehlt jede praktische Erfahrung und sie möchten das Angeln erst einmal unverbindlich ausprobieren. Das deutsche Angelrecht macht ein solches „Schnuppern" nicht gerade einfach — doch es gibt durchaus Wege:

Friedfisch

In Brandenburg ist für das Angeln auf Friedfisch keine Anglerprüfung erforderlich. Wer also nicht auf Raubfisch aus ist, kann dort erste Erfahrungen am Wasser sammeln, ohne vorher eine Prüfung abgelegt zu haben. Die jährliche Fischereiabgabe muss jedoch entrichtet und die passende Angelkarte für das Gewässer besorgt werden — danach kann es direkt losgehen.

Forellenteich

In Baden-Württemberg und Sachsen ist das Angeln ohne Fischereischein in bewirtschafteten Teichanlagen gesetzlich nicht verboten. Es existieren in diesen Bundesländern daher einige sogenannte „Forellenpuffs", in denen ein Einstieg ohne Schein möglich ist. Ob man dort die tiefe Angelleidenschaft entdeckt, darf man bezweifeln — der Reiz des Angelns liegt für viele eben in der echten Natur und dem damit verbundenen Ungewissen.

Die Möglichkeit, zumindest das Gefühl eines Bisses und eines kurzen Drills zu erleben, bieten diese Anlagen jedoch ohne Frage.

Zeitlich befristete Fischereischeine

In Mecklenburg-Vorpommern (Touristenfischereischein), Schleswig-Holstein (Urlauberangelschein) und Thüringen (Vierteljahresfischereischein) stehen zeitlich befristete Fischereischeine ohne Angelprüfung zur Verfügung. Zu beachten ist allerdings, dass nicht sämtliche Angelkarten mit diesen befristeten Scheinen kombinierbar sind.

Bedingungen und Details entnehmen Sie bitte den jeweiligen verlinkten Seiten.

Für Einsteiger und sporadische Urlaubsangler ist Mecklenburg-Vorpommern besonders empfehlenswert. Der Fischbestand dort ist beeindruckend. Wer den Einstieg lieber mit einem erfahrenen Guide wagen möchte, dem seien René Berndt, Norman Tramnitz, Mario Prey, David Bernhardt und Fred Kotowski ans Herz gelegt — allesamt Guides, mit denen ich selbst schon mehrfach unterwegs war.

Zusammenfassung

Wer einmal Feuer gefangen hat, sollte mittelfristig definitiv den Fischereischein angehen. In den meisten Bundesländern halten sich Aufwand und Kosten in einem Rahmen, der gemessen am Erlebnis am Wasser absolut gerechtfertigt ist.

Eine Lektion habe ich in Deutschland gelernt: Es gibt für alles eine Regel — und überraschend oft macht sie sogar Sinn.

Bis zum nächsten Mal wünsche ich Ihnen allen ratternde Rollen!

Ihr Daniel

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden vor dem Veröffentlichen geprüft.

Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.