Free-Rig: Mit dem Free-Rig angeln - HechtundBarsch.de

Free-Rig: Die Montagetechnik mit dem maximalen Köderfreiheitsgrad

Freiheit für den Köder - wörtlich gemeint.

Das ist das Grundprinzip des Free-Rigs, und es trifft den Kern dieser Technik auf den Punkt. Gewicht und Köder agieren beim Free-Rig völlig unabhängig voneinander - ein Umstand, der dem Köder ein aussergewöhnliches Laufverhalten verleiht. Ähnliche Konzepte existieren auch bei anderen Montagen: Texas-Rig, Jika-Rig oder die Cheburashka verbinden Köder und Gewicht ebenfalls auf flexible Weise. Was das Free-Rig jedoch von all diesen Varianten unterscheidet, ist der grösste Freiheitsgrad, den ein Köder erreichen kann - und das bei gleichzeitig sehr überschaubarer Hängergefahr. Carolina-Rig oder Drop-Shot-Montage bieten zwar auch einen gewissen Abstand zum Gewicht, jedoch steigt dort die Gefahr, sich im Grund zu verhaken, deutlich an. In den folgenden Abschnitten erfahren Sie, wie das Free-Rig aufgebaut wird, wie es funktioniert und mit welchem Material Sie es optimal einsetzen.

Bestandteile des Free-Rigs

Die Komponenten des Free-Rigs sind überschaubar und schnell zusammengestellt.

  • Ein Haken - vorzugsweise ein Offset-Haken, um die charakteristischen Eigenschaften dieser Montagetechnik voll ausschöpfen zu können.
  • Ein Gewicht: Besonders empfehlenswert sind Stabgewichte mit eingearbeitetem Wirbel am oberen Ende. Birnenbleie funktionieren vom Prinzip her ebenfalls. Ob das Gewicht aus Blei oder Tungsten gefertigt ist, spielt zunächst eine untergeordnete Rolle - dazu später mehr.
  • Vorfachschnur: Setzen Sie hier konsequent auf eine hochwertige Fluorocarbonschnur. Sie überzeugt durch herausragende Abriebfestigkeit und ist im Wasser nahezu unsichtbar. Wer bereits eine FC-Hauptschnur fischt, kann diesen Punkt gegebenenfalls überspringen.
  • Eine Gummiperle als Knotenschutz

Zander am Free Rig

Aufbau des Free-Rigs

Der Zusammenbau dieser Montage ist erfreulich unkompliziert. Gehen wir von der heute gängigsten Schnurkombination aus: geflochtene Hauptschnur mit Fluorocarbon-Vorfach. Knüpfen Sie an die Hauptschnur ein FC-Vorfach in einer Stärke von etwa 0,22 mm. Dünneres Material ist zwar möglich, bringt in den meisten Situationen aber keinen nennenswerten Vorteil - die etwas stärkere Variante ist schlicht resistenter gegen Abrieb und damit die pragmatischere Wahl.

Hauptschnur und Vorfach verbinden Sie am zuverlässigsten mit einem FG-Knoten. Für eher kurze Vorfächer bieten sich alternativ kleine Vorfachringe an.

Anschliessend wird das Stabgewicht mit der Öse auf das Vorfach aufgefädelt, sodass es frei auf der Schnur läuft. Dahinter folgt die Gummiperle als Puffer. Auf sie kann theoretisch verzichtet werden, wenn die Montage so schlank wie möglich gehalten werden soll - sie verhindert jedoch zuverlässig, dass die Öse des Gewichts über den Knoten rutscht oder diesen beschädigt. Ihr Einsatz ist daher sinnvoll.

Abschliessend wird der Haken angeknotet. Neben dem Offset-Haken eignen sich bei geringer Hängergefahr auch Aberdeen-Haken hervorragend. Damit ist der Aufbau des Rigs bereits vollständig.

Wie funktioniert das Free-Rig eigentlich?

Das Kernprinzip liegt in der maximalen Entkopplung von Gewicht und Köder während der Führung. Während beim Carolina- oder Dropshot-Rig ein fixer Abstand zwischen beiden Elementen besteht, verändert sich dieser beim Free-Rig kontinuierlich. Daraus resultiert ein aussergewöhnlich lebendiges Köderverhalten bei gleichzeitig geringer Hängeranfälligkeit. Liegt die Schnur ohne Spannung, befinden sich Gewicht und Köder direkt beieinander. Wird die Montage angelupft, lösen sich beide gemeinsam vom Grund - doch dann trennen sich ihre Wege: Das Gewicht sinkt rasch, während der Köder durch die geringe Reibung zwischen Öse und Schnur deutlich langsamer und verführerischer nachfolgt.

Wie ausgeprägt diese Verzögerung ausfällt, hängt vom gewählten Köder und der Führungsweise ab. Selbst am Grund liegend hat der Köder maximales Spiel. Ein Biss wird unmittelbar über die Schnur in die Rutenspitze übertragen, da das Gewicht vom Fisch nicht mitbewegt werden muss - er registriert beim Aufnehmen des Köders also keinerlei direkten Widerstand.

Wie wird das Free-Rig richtig geführt?

Aus dem Funktionsprinzip ergibt sich die ideale Führungsstrategie nahezu von selbst. Die einfachste, aber auch limitierteste Methode ist das Schleifen über den Gewässergrund. Das volle Potenzial dieser Montagetechnik entfaltet sich erst, wenn der Köder über die Rute mehr oder weniger aggressiv angelupft wird. Wichtig dabei: Nehmen Sie nicht sofort wieder Kontakt auf, da Sie den Köder andernfalls schnell zurück ans Gewicht ziehen.

Lassen Sie den Köder stattdessen an leicht slack gehaltener Schnur kontrolliert herabsegeln.

So bleibt dem Fisch die Zeit, den Köder zu nehmen - und der entscheidende Unterschied gegenüber Texas-Rig, Jika-Rig oder dem klassischen Jigkopf lässt sich vollständig ausspielen.

Welche Köder eignen sich besonders gut für die Präsentation am Free-Rig?

Grundsätzlich lässt sich das Free-Rig mit allen Gummiködern kombinieren. Besonders effektiv sind jedoch Krebsimitate sowie gesalzene und aromatisierte Weichplastikköder. Da Raubfische bei dieser Montage keinen direkten Widerstand nach der Köderaufnahme spüren, ziehen Egli und Zander den Köder oft vehement weg - vergleichbar mit dem Bissverhalten, das man vom Schwarzbarschangeln kennt. Das schafft ideale Voraussetzungen für einen verzögerten Anschlag, der in den meisten Fällen ausgezeichnet sitzt. Diese Kombination macht das Free-Rig sowohl zu einer ausgesprochen erfolgreichen als auch zu einer ungemein spannenden Methode.

Köder, die sich am Free-Rig bewährt haben:

  • Illex Cover Craw
  • Noike Donkey Boo
  • X Zone Lures Muscle Back Finesse Craw
  • Noike Smokin Dad
  • X Zone Lures Punisher Punch Craw
  • Noike Yabby
  • #LMAB Finesse Filet Craw

Elbzander auf Free Rig

Florian Penno: Schöner Elbzander auf Free-Rig gefangen

Anwendungshinweis

Wenn Sie das Free-Rig erstmals einsetzen, lohnt es sich, mit einem mittelschweren Stabgewicht zwischen 5 und 10 Gramm zu starten und die Köderaktion an einer bekannten, überschaubaren Stelle zu beobachten. So entwickeln Sie schnell ein Gefühl dafür, wie unterschiedlich Köder auf das Gewicht reagieren und in welchem Tempo sie absinken. Besonders an Stellen mit leichtem Strömungseinfluss oder strukturiertem Untergrund zeigt das Free-Rig seine Stärken - dort, wo andere Montagen zu viele Hänger produzieren würden, bleibt es überraschend bodenorientiert und trotzdem präzise kontrollierbar.

Schnurwahl zum Angeln mit dem Free-Rig

Um die beschriebenen Eigenschaften des Free-Rigs optimal ausnutzen zu können, spielt auch die Schnurwahl eine entscheidende Rolle. Am besten harmoniert diese Montagetechnik mit einer durchgehenden Fluorocarbonschnur als Hauptschnur. Durch ihre höhere Dehnung im Vergleich zu Geflechtschnur gibt sie dem Fisch nach der Köderaufnahme zusätzlichen Spielraum - er fasst den Köder argloser und zieht entschlossener damit ab. Das steigert die Bissverwertung nochmals spürbar. Keine Sorge: Die Bisse sind trotz - oder gerade wegen - der erhöhten Dehnung einwandfrei zu registrieren. Probieren Sie es aus.

Welche Ruten brauchen Sie zum Angeln mit dem Free-Rig?

Alle gängigen Rig-Ruten sind für diese Technik geeignet. Eine sensible Spitze ist wichtig, um Bisse frühzeitig anzuzeigen und dem Fisch gleichzeitig wenig Gegendruck zu bieten. Folgt auf diese Sensitivität ein kräftiges Rückgrat für den Anschlag und eine gute Rückmeldung aus der Tiefe, haben Sie Ihre ideale Rute für das Free-Rig gefunden. Besonders bewährt haben sich Modelle mit einer Solid-Tip, also einer eingespleissten Vollcarbonspitze - zwingend erforderlich sind diese jedoch ausdrücklich nicht.

Barsch am Free Rig

Florian Penno: Auch Egli haben Krebse am Free-Rig zum Fressen gern

Zusammenfassung

Die wichtigsten Punkte zum Free-Rig auf einen Blick:

  • Köder und Gewicht sind maximal voneinander getrennt, ohne in einem fixen Abstand zueinander fixiert zu sein.
  • Der Köder sinkt dadurch deutlich langsamer als das Gewicht und entwickelt eine aussergewöhnlich natürliche Aktion.
  • Beim Biss registriert der Raubfisch keinen direkten Widerstand und zieht mit dem Köder ab - besonders bei gesalzenen und aromatisierten Modellen.
  • Verzögerte Anschläge können mit sehr gutem Erfolg eingesetzt werden.
  • Bisse werden unmittelbar in die Rutenspitze übertragen, auch wenn sie auf den liegenden Köder erfolgen.
  • Der Aufbau ist denkbar einfach und besteht aus sehr wenigen Komponenten.
  • Die Führung ist leicht erlernbar und gleichzeitig sehr variabel einsetzbar.
  • Das Free-Rig funktioniert das gesamte Jahr über - auch bei Kältewasser im Winter.
  • Jede Rig-Rute ist grundsätzlich geeignet.
  • Fluorocarbon als Hauptschnur ist empfehlenswert, aber kein Muss.
  • Schlankes Gewicht und Offset-Haken halten die Hängergefahr auf einem sehr niedrigen Niveau.

Fazit zum Free-Rig

Zum Abschluss noch einige Worte. Das Free-Rig öffnet beim Fischen mit Weichplastikködern tatsächlich neue Möglichkeiten - im wörtlichen Sinne. Die schlanke Gewichtsform in Kombination mit dem Offset-Haken hält die Hängeranfälligkeit auf einem Minimum. Die Bisse, bei denen Egli oder Zander mit dem Köder regelrecht abziehen, machen diese Technik zu einem ausgesprochen spannenden Erlebnis. Das Free-Rig lässt sich nahezu überall als Alternative zum klassischen Jigkopf oder Texas-Rig einsetzen und bietet darüber hinaus noch zahlreiche weitere Anwendungsszenarien. Gerade wenn das Wasser im Winter kalt und die Fische träger werden, ist es eine der überzeugendsten Wintermontagen, die Ihnen zur Verfügung steht.

Wer bei all diesen Vorzügen noch zögert, dem empfehlen wir: Einfach ausprobieren. Alles, was Sie für den Aufbau und das Fischen mit dem Free-Rig benötigen, finden Sie bei uns im Shop auf hechtundbarsch.ch.

Stramme Schnüre und viel Petri,

Florian

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