Angelschein machen: So geht's - HechtundBarsch.de

Angelschein machen in Deutschland: Der vollständige Leitfaden

Die Zeiten, in denen ein einfaches Stöckchen und eine Nylonschnur für einen sorglosen Tag am Graben genügten, gehören der Vergangenheit an. Angeln hat sich zu einem international anerkannten Sport entwickelt, der durch professionelle Turniere auf der ganzen Welt geprägt wird und einem strengen Regelwerk unterliegt. Taktisch durchdachtes High-End Equipment und präzise Detailarbeit bei der Montage sind heute entscheidend für Erfolg oder Misserfolg. Vor allem aber bleibt Angeln eines: Ein aussergewöhnlich erfüllendes Hobby! Man lernt nicht nur, mit dem Gerät umzugehen und sich auf Fisch, Wasser und Wetter einzustellen - weit wichtiger ist der Respekt vor der Natur und die Fähigkeit, eine besondere Zeit in Einklang mit ihr zu geniessen.

Was steht dem Angeln im Weg?

Ein ernstes Thema sind die teils sehr strengen, aber mitunter auch schwer überschaubaren Regelungen rund um die Angelerlaubnis - insbesondere in Deutschland. Die gesetzlichen Grundlagen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland erheblich. Das Fischereirecht, in Deutschland im jeweiligen Landesfischereigesetz verankert, gilt als eines der sensibelsten Rechtsgebiete und wird konsequent durchgesetzt.

Der Weg zum Angelschein erfordert also solide Vorbereitung. Welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen, was Sie konkret erwartet und worauf Sie besonders achten sollten, erfahren Sie in diesem Leitfaden.

Rechtliche Grundlagen

In Deutschland basiert das Fischereirecht auf dem Landesfischereigesetz des jeweiligen Bundeslandes. Um legal angeln zu dürfen, benötigen Sie grundsätzlich zwei Dokumente:

  • Einen gültigen Fischereischein - dieser wird nach erfolgreichem Bestehen der Fischereiprüfung oder nach einer abgeschlossenen Ausbildung als Fischwirt ausgestellt.

  • Einen Gewässerschein - ausgestellt vom jeweiligen Fischereirecht-Inhaber des betreffenden Gewässers.

Der Fischereirecht-Inhaber ist entweder der Eigentümer des Gewässers oder ein Pächter, beispielsweise ein Angelverein. Solche Vereine pachten in aller Regel das Fischereirecht für mehrere Gewässer und stellen für diese Pachtgewässer anschliessend Fischereierlaubnisscheine aus.

GUT ZU WISSEN:
An vereinseigenen Gewässern gelten die Gewässerordnungen des jeweiligen Vereins. Informieren Sie sich vor dem Erwerb eines Gewässerscheins gründlich über diese Bestimmungen, da einige Vereine auch das Mitführen entsprechender Dokumente am Wasser vorschreiben. Bei einer Kontrolle macht sich das bezahlt.

Neben dem Landesfischereigesetz sind ausserdem folgende Gesetze und Verordnungen massgeblich:

  1. Tierschutzgesetz

  2. Bundesartenschutzgesetz

  3. Bundesartenschutzverordnung

Wer gegen diese Vorschriften verstösst oder ohne Erlaubnis angelt - in Deutschland als Fischwilderei geahndet - muss mit empfindlichen Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren rechnen (§293 Nr. 1 und 2 StGB). Zur Kontrolle der Einhaltung aller Vorgaben werden sowohl vereinsinterne als auch staatliche Fischereiaufseher regelmässig an die Gewässer entsandt. Sie prüfen Papiere, Verhalten und Ausrüstung.

TIPP:
An vielen Forellenteichen ist das Angeln auch ohne Angelschein gestattet. Das bietet eine gute Gelegenheit, erste Erfahrungen am Wasser zu sammeln - ob alleine oder in Begleitung. Forellenanlagen halten in der Regel verschiedene Fischarten bereit, darunter Wels, Hecht, Aal, Egli und verschiedene Forellenarten. So lassen sich gleichzeitig unterschiedliche Fangmethoden und Köder ausprobieren. Achten Sie dabei stets genau auf die geltenden Hausregeln, denn an manchen Anlagen sind nur bestimmte Köderarten erlaubt.

Den entscheidenden ersten Schritt stellt die Fischereiprüfung dar. Was dabei auf Sie zukommt, welche Möglichkeiten Sie haben und welche Voraussetzungen Sie mitbringen müssen, erläutern wir im folgenden Abschnitt.

Fischereiprüfung

Die Fischereiprüfung schafft die rechtliche Grundlage für das Angeln in Deutschland. Nach bestandener Prüfung berechtigt sie zur Beantragung des Fischereischeins, mit dem wiederum der Gewässerschein für das jeweilige Gewässer erworben werden kann. Die Anforderungen variieren je nach Bundesland zum Teil erheblich - Bayern und Baden-Württemberg etwa fragen das Wissen besonders umfangreich ab. In einigen Bundesländern kommt ein praktischer Prüfungsteil hinzu. Die bestandene Fischereiprüfung gilt ein Leben lang!

Ab welchem Alter kann ich die Fischereiprüfung machen?

Eine einheitliche Antwort gibt es hierauf nicht. Wie bei vielen anderen Aspekten auch, ist das Mindestalter vom jeweiligen Bundesland abhängig - informieren Sie sich direkt bei der zuständigen Behörde. In einigen Bundesländern wird ein Kinder- oder Jugendfischereischein bereits ab 8 oder 12 Jahren ausgestellt.

Vorbereitung auf den Fischereischein

Die Fischereiprüfung wird von den zuständigen Behörden und Verbänden abgenommen und kann ausschliesslich in dem Bundesland abgelegt werden, in dem Sie Ihren Hauptwohnsitz haben - Ausnahmen sind in seltenen Fällen möglich. Da die Prüfung solides Wissen in Bereichen wie Fischkunde und Gesetzeskunde voraussetzt, ist ein strukturierter Vorbereitungskurs unverzichtbar. Die Parallele zum Führerscheinerwerb liegt nahe: Nach dem Unterricht und den Pflichtstunden folgt die eigentliche Prüfung.

Beim Angelschein funktioniert es genauso. Sie absolvieren einen Kurs - entweder online oder vor Ort - und melden sich anschliessend zur Fischereiprüfung an. Bei einem Online-Kurs erhalten Sie alle erforderlichen Unterlagen digital zur Verfügung gestellt.

Vorbereitungskurs online absolvieren
Bei der ANGLERSCHMIEDE stehen Ihnen umfangreiche Lernvideos zur Verfügung. In enger Zusammenarbeit mit Fischereiverbänden und -vereinen ganz Deutschlands wurde ein Vorbereitungskurs entwickelt, der alle Bundesländer abdeckt. Aktuelles Prüfungsmaterial, sämtliche Prüfungsfragen, Quizformate und vieles mehr - all das lässt sich über die ANGLERSCHMIEDE abrufen.

Bestimmungen des Bundeslandes

Es empfiehlt sich, die spezifischen Richtlinien und Bestimmungen Ihres Bundeslandes vorab sorgfältig zu recherchieren.

Die entsprechenden Informationsquellen für jedes Bundesland finden Sie nachstehend:

  • Thüringen

  • Schleswig-Holstein

  • Sachsen-Anhalt

  • Sachsen

  • Saarland

  • Rheinland-Pfalz

  • Nordrhein-Westfalen

  • Niedersachsen

  • Mecklenburg-Vorpommern

  • Hessen

  • Hamburg

  • Bremen

  • Brandenburg

  • Berlin

  • Bayern

  • Baden-Württemberg

Prüfungsinhalte der Fischereiprüfung

Abhängig vom Bundesland setzt sich die Prüfung aus einem theoretischen und teils auch einem praktischen Teil zusammen. Die Kernthemengebiete sind bundesweit einheitlich. Die folgende Tabelle gibt einen strukturierten Überblick:

BUNDESLAND

THEMENGEBIETE

PRÜFUNG

Hamburg

- Allgemeine Fischkunde

- Spezielle Fischkunde

- Gewässerkunde und Fischhege

- Tierschutz, Naturschutz, Umweltschutz

- Gerätekunde

- Gesetzeskunde

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 400 Fragen

90 Minuten Zeit

KEINE PRAKTISCHE PRÜFUNG!

Bremen

- Allgemeine Fischkunde

- Spezielle Fischkunde

- Gewässerkunde und Fischhege

- Tierschutz, Naturschutz, Umweltschutz

- Gerätekunde

- Gesetzeskunde

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 360 Fragen

60 Minuten Zeit

PRAXIS:
Waidgerechtes Töten vorführen, Fischbilder bestimmen, ggf. Prüfungsgespräch

Berlin

- Fischkunde / Fischhege

- Pflege der Fischgewässer

- Fanggeräte und deren Gebrauch

- Behandlung der gefangenen Fische

- Einschlägige Rechtsvorschriften

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 600 Fragen

60 Minuten Zeit

KEINE PRAKTISCHE PRÜFUNG!

Bayern

- Fischkunde

- Gewässerkunde

- Schutz und Pflege der Gewässer / Fischhege

- Fanggeräte, fischereiliche Praxis, Behandlung gefangener Fische

- Einschlägige Rechtsvorschriften (insbesondere Fischerei/Wasser, Tierschutz/Tierseuchen)

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 1006 Fragen

60 Minuten Zeit

KEINE PRAKTISCHE PRÜFUNG!

Baden-Württemberg

- Allgemeine Fischkunde

- Spezielle Fischkunde

- Gewässerökologie

- Gerätekunde

- Gesetzeskunde

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 835 Fragen

120 Minuten Zeit

KEINE PRAKTISCHE PRÜFUNG!

Brandenburg

- Fischkunde / Fischhege

- Pflege der Fischgewässer

- Fanggeräte und deren Gebrauch

- Behandlung der gefangenen Fische

- Einschlägige Rechtsvorschriften

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 600 Fragen

60 Minuten Zeit

KEINE PRAKTISCHE PRÜFUNG!

Hessen

- Allgemeine Fischkunde

- Spezielle Fischkunde

- Gewässerkunde

- Gerätekunde

- Gesetzeskunde

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 650 Fragen

180 Minuten Zeit

KEINE PRAKTISCHE PRÜFUNG!

Mecklenburg-Vorpommern

- Allgemeine Fischkunde

- Spezielle Fischkunde (inklusive Fisch-, Pflanzen- und Gerätebilder)

- Gewässerökologie

- Gerätekunde

- Gesetzeskunde

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 1180 Fragen

90 Minuten Zeit

KEINE PRAKTISCHE PRÜFUNG!

Niedersachsen

- Allgemeine Fischkunde

- Spezielle Fischkunde (inklusive Fischbilder)

- Gewässerkunde und Fischhege

- Tierschutz, Naturschutz, Umweltschutz

- Fischfang und Gerätekunde

- Fischereirecht

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 360 Fragen

60 Minuten Zeit

PRAXIS:
Waidgerechtes Töten vorführen, Fischbilder bestimmen, ggf. Prüfungsgespräch

Rheinland-Pfalz

- Allgemeine Fischkunde

- Spezielle Fischkunde

- Gewässerkunde

- Gerätekunde

- Gesetzeskunde, Naturschutz, Tierschutz

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

50 von 880 Fragen

120 Minuten Zeit

KEINE PRAKTISCHE PRÜFUNG!

Nordrhein-Westfalen

- Allgemeine Fischkunde

- Spezielle Fischkunde

- Gewässerkunde und Fischhege

- Tierschutz, Naturschutz, Umweltschutz

- Gerätekunde

- Gesetzeskunde

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 360 Fragen

60 Minuten Zeit

PRAXIS:
Fischbilder bestimmen, Waidgerechter Zusammenbau von Angelruten

Saarland

- Allgemeine Fischkunde

- Spezielle Fischkunde

- Gewässerkunde

- Gerätekunde

- Gesetzeskunde

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 225 Fragen

120 Minuten Zeit

KEINE PRAKTISCHE PRÜFUNG!

Thüringen

- Allgemeine Fischkunde

- Spezielle Fischkunde

- Gewässerkunde

- Tierschutz, Naturschutz, Umweltschutz

- Gerätekunde

- Gesetzeskunde

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 600 Fragen

120 Minuten Zeit

KEINE PRAKTISCHE PRÜFUNG!

Schleswig-Holstein

- Allgemeine Fischkunde

- Spezielle Fischkunde (inklusive über 40 Fischarten)

- Gewässerkunde und Fischhege

- Tierschutz, Umweltschutz, Naturschutz

- Gerätekunde

- Gesetzeskunde

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 400 Fragen

90 Minuten Zeit

KEINE PRAKTISCHE PRÜFUNG!

Sachsen-Anhalt

- Fischkunde

- Gewässerkunde

- Gerätekunde

- Gesetzeskunde

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 612 Fragen

180 Minuten Zeit

PRAXIS:
Fischereiordnung des Landes

Sachsen

- Allgemeine Fischkunde

- Spezielle Fischkunde

- Gewässerkunde

- Gerätekunde

- Gesetzeskunde

THEORIE:
Ankreuzfragebogen

60 von 900 Fragen

90 Minuten Zeit

KEINE PRAKTISCHE PRÜFUNG!

Quelle: Anglerschmiede.de

Kann man die Fischereiprüfung online ablegen?

Diese Frage lässt sich klar und eindeutig mit „Nein" beantworten. Die Fischereiprüfung kann grundsätzlich nicht online absolviert werden. Sie müssen dafür persönlich bei einer Prüfbehörde oder dem zuständigen Verband erscheinen und die Prüfung im Multiple-Choice-Verfahren vor Ort ablegen - wahlweise auf Papierbögen oder am PC. Je nach Bundesland kann ausserdem ein praktischer Prüfungsteil hinzukommen.

Fischereischein machen: Den richtigen Prüfungstermin finden

Sobald Sie sich ausreichend vorbereitet haben, gilt es, einen Termin zur Fischereiprüfung in Ihrer Region ausfindig zu machen. Die Häufigkeit der angebotenen Termine variiert je nach Bundesland stark - manche bieten Prüfungen nur einmal jährlich an, andere hingegen monatlich. Nach bestandener Prüfung können Sie mit Prüfungszeugnis, Personalausweis und einem aktuellen Passfoto beim zuständigen Fischereiamt den Fischereischein beantragen.

Für die Ausstellung des Fischereischeins wird eine Verwaltungsgebühr erhoben, die je nach Bundesland und gewählter Gültigkeitsdauer unterschiedlich ausfällt.

Was passiert bei einem Nichtbestehen der Fischereiprüfung?

Auch in diesem Fall gibt es keine einheitliche bundesweite Regelung. In der Regel steht Ihnen eine Nachprüfung offen - klären Sie die genauen Bedingungen jedoch direkt mit Ihrer zuständigen Behörde ab. Es können zeitliche Fristen gelten, und es werden in der Regel erneut Gebühren fällig. Dabei ist zu beachten, dass es sich um die Prüfungsgebühr handelt - nicht um die Kosten des Vorbereitungskurses.

In einzelnen Bundesländern besteht die Möglichkeit, lediglich den nicht bestandenen Prüfungsteil zu wiederholen. Eine rasche Klärung ist empfehlenswert, damit Sie zeitnah am nächsten Termin teilnehmen können.

Anwendungshinweis

Als Angler aus der Schweiz, der regelmässig auch in Deutschland an die Rute geht: Vergessen Sie nicht, dass Ihr Schweizer Fischereiausweis in Deutschland grundsätzlich keine Gültigkeit besitzt. Sie benötigen einen deutschen Fischereischein sowie den entsprechenden Gewässerschein für das jeweilige Gewässer. Planen Sie einen längeren Angelurlaub in Deutschland, lohnt sich eine frühzeitige Anmeldung zur Fischereiprüfung - die einmalige Investition in Zeit und Vorbereitung öffnet Ihnen dauerhaft Zugang zu einer enormen Vielfalt an Gewässern, ob für Hecht, Egli oder Zander.

Woher bekomme ich Gewässerschein und Angelkarte?

Mit dem Fischereischein in der Hand fehlt nur noch eines: der passende Gewässerschein für Ihr Wunschgewässer.

GUT ZU WISSEN:
Neben dem gültigen Fischereischein müssen Sie stets auch den Erlaubnisschein bzw. die Angelkarte bei sich führen. Einige Vereine schreiben zusätzlich das Mitführen der Gewässerordnung vor. Informieren Sie sich daher im Vorfeld genau, welche Dokumente am Wasser verlangt werden - eine Kontrolle ohne vollständige Papiere ist eine Situation, die Sie zuverlässig vermeiden möchten.

Den Erlaubnisschein bzw. die Angelkarte erhalten Sie direkt beim jeweiligen Angelverein, im Angelshop oder bei den zuständigen Behörden vor Ort.

Fazit

Mit dem richtigen Wissen im Gepäck steht Ihrem nächsten Angelausflug nichts mehr im Weg. Haben Sie noch offene Fragen? Schreiben Sie diese gerne in die Kommentare - wir beantworten sie so rasch wie möglich. Ihr Team von hechtundbarsch.ch wünscht Ihnen alles Gute auf dem Weg zu Ihrem Angelschein.

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