Laura Tau ist Gastautorin auf unserem Blog und widmet einen Grossteil ihrer Angelzeit den Tidegewässern in Schleswig-Holstein sowie den Gewässern rund um Hamburg. In diesem Beitrag nimmt sie Sie mit in ihre Angelwelt und erklärt anhand ihrer eigenen Erfahrungen, was das Fischen an sogenannten Tidegewässern so besonders macht.

Quelle: Florian Penno
Was steckt eigentlich hinter dem Begriff Tidegewässer? Wie spüren Sie den richtigen Spot auf, und welche Besonderheiten müssen Sie dort beachten? Welche Ruten, Rollen und Köder machen an solchen Gewässern wirklich Sinn? Laura beantwortet all diese Fragen aus der Praxis heraus, gestützt auf zahlreiche eigene Erlebnisse und fundierte Hintergrundinformationen.
Was sind Tidegewässer?
Schleswig-Holstein verfügt über eine bemerkenswerte Vielfalt an Gewässern, die dem Rhythmus der Gezeiten folgen. Typische Beispiele sind die Elbe, die Pinnau, die Stör und die Krückau. Diese Flüsse münden allesamt in die Elbe und stehen damit in direkter Verbindung mit Ebbe und Flut der Nordsee. Im Vergleich zu gewöhnlichen Flüssen zeichnen sie sich durch erhebliche Schwankungen des Wasserstandes und ausgeprägte Strömungswechsel aus — ein Umstand, der das Angeln auf heimische Raubfische abwechslungsreich und spannend gestaltet. Das Wasser ist häufig trüb und wird im Bereich der Mündungen als Brackwasser bezeichnet.

Quelle: Wikipedia
Wodurch entstehen Tiden?
Als Gezeiten bezeichnet man die zyklischen Wasserbewegungen der Meere und Ozeane, die durch die Gravitationskräfte von Mond und Sonne ausgelöst werden. Den grössten Einfluss übt dabei der Mond aus. Sein Zyklus führt dazu, dass sich innerhalb von rund 25 Stunden jeweils zweimal Hoch- und zweimal Niedrigwasser abwechseln.
Fischarten in den Tidegewässern
Wie an zahlreichen anderen deutschen Gewässern gehören Zander, Egli und Hecht auch in den Tidegewässern zum festen Inventar und lassen sich hervorragend mit Kunstködern überlisten. Als Hauptzielfisch der Elbe gilt zweifelsohne der Zander, doch auch starke Egli, Hecht und Wels kommen regelmässig ans Netz. Darüber hinaus sind verschiedene Cypriniden vertreten, die ihrerseits auf Gummifische abstechen. Eine besondere Rolle als Beutefisch spielt der Stint, der alljährlich aus der Nordsee in die Elbe aufsteigt und den Räubern ein reichhaltiges Nahrungsangebot beschert.

Quelle: Florian Penno
Dokumente zum Tidenfischen in SH
Bevor Sie die Angel auswerfen, sollten Sie einige formale Punkte klären. Wer in Schleswig-Holstein auf Fischfang gehen möchte, benötigt einen gültigen Fischereischein sowie eine Fischereiabgabemarke des Landes Schleswig-Holstein. Diese erhalten Sie in ausgewählten Angelgeschäften, bei Rathäusern und Amtsverwaltungen oder online unter www.service.schleswig-holstein.de. An den meisten Gewässerabschnitten ist eine zusätzliche Tageskarte nicht erforderlich.
Freies Angeln ist in Schleswig-Holstein ausschliesslich an den Küstengewässern möglich, also in den im Hoheitsgebiet befindlichen Teilen der Nordsee und der Ostsee. Ausnahmen bestehen in der Schlei und im Stadtgebiet von Lübeck, wo historisch gewachsene Fischereirechte gelten. Detaillierte Informationen zu den jeweils gültigen Regelungen sollten Sie direkt vor Ort erfragen sowie auf der Webseite des http://angelgewaesser.lsfv-sh.de/ nachlesen.
Die Abschnitte von sechs Flüssen in Schleswig-Holstein, die zu den Küstengewässern zählen, sind:
- Eider: flussabwärts der Schleuse Nordfeld; sie liegt bei Eider-km 78,280.
- Stör: flussabwärts der Strassenbrücke im Zuge der B 77 in Itzehoe.
- Krückau: flussabwärts der ehemaligen Wassermühle Piening am Mühlendamm in Elmshorn.
- Pinnau: flussabwärts der Strassenbrücke im Zuge der B 431 in Uetersen.
- Trave: Verbindungslinie der Köpfe der Süderinnenmole und Norderaußenmole.
- Elbe: Landesgrenze zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein bei Wedel.
Den richtigen Spot finden
Sobald Sie einen Gewässerabschnitt ins Auge gefasst haben, beginnt die eigentliche Spotsuche. Bewährt hat sich dabei die Kombination aus Google Maps und dem persönlichen Abgehen beziehungsweise Abfahren des Gewässers und der Häfen — und zwar gezielt bei verschiedenen Wasserständen. So erarbeiten Sie sich Spots, die sowohl bei Hochwasser als auch bei Niedrigwasser ihren Reiz entfalten. Steinpackungen, die bei Niedrigwasser freigelegt werden, lassen sich dann direkt begehen und befischen — sie gehören häufig zu den ergiebigsten Stellen für starke Tide-Raubfische.

Florian Penno mit einem wunderschönen Zetti.
Auswirkung von Tiden und Tageszeiten
Tidegewässer spielen nach anderen Regeln als stehende oder tidenneutrale Fliessgewässer. Denn durch die ständig wechselnden Wasserstände und Strömungsverhältnisse sind auch normalerweise nacht- und dämmerungsaktive Raubfische tagsüber in Bewegung — ein klarer Vorteil für Sie. Sie können im Grunde zu jeder Tageszeit ans Wasser gehen; entscheidend ist allein der aktuelle Tidenstand.
Wenn Sie Häfen befischen, setzen Sie auf auflaufendes Wasser. Mit der einlaufenden Flut ziehen die Fische gerne in Hafenbecken ein und lassen sich dort von Spundwänden und Molen hervorragend ansprechen. Gerade im Winter erweist sich diese Angelei als besonders lohnend, weil die Fische in den strömungsberuhigten Hafenbereichen gezielt Energie sparen.
Wer dagegen lieber an Steinpackungen und in der freien Natur fischt, für den ist ablaufendes Wasser und Niedrigwasser die interessanteste Phase. Die Buhnen und Steinkanten liegen frei, die Strömungskanten sind nah, und die Struktur liegt direkt vor Ihren Füssen — im Sommer eine ausgezeichnete Voraussetzung für aggressiv jagende Zander, Hechte und Egli.
Den aktuellen Tidenstand im Blick behalten Sie am besten mit der App Nautide. Sie liefert alle relevanten Informationen zu Wasserstand, Luftdruck und Mondphase. Tragen Sie einfach Ihr Zielgewässer ein und informieren Sie sich, bevor Sie aufbrechen — damit Ihr sorgfältig erarbeiteter Spot nicht plötzlich unter Wasser liegt.
Welche Köder eignen sich am besten in Tidegewässern?
Bereits beim ersten Blick ins Wasser werden Sie feststellen: Es handelt sich um eine ordentliche trübe Suppe. Starke Strömung und die ständig wechselnden Strömungsrichtungen wirbeln den Gewässergrund auf, sodass die Sichttiefe selten mehr als 30 cm beträgt. Greifen Sie deshalb zu Ködern mit hohem Kontrast im Wasser. Dazu zählen besonders grelle, UV-aktive Varianten — Firetiger, Motoroil, grün/orange oder gelb — aber auch Köder mit hellem Bauch und dunklem Rücken funktionieren gut. Noch wichtiger als die Farbe ist jedoch das Vertrauen in Ihren Köder. Setzen Sie ruhig auf die Farben, die Ihnen an Ihren Stammgewässern bereits schöne Fänge beschert haben, denn nur wer seinem Köder vertraut, fischt konzentriert und mit dem nötigen Nachdruck.
Richtiges Gewicht finden
Was Jigs und Jiggewichte angeht, sollten Sie sich im Bereich von 5 g bis 35 g breit aufstellen und für jede Situation gerüstet sein. Und tun Sie sich selbst den Gefallen: Packen Sie genug Köder ein — ein Tidegewässer nimmt und gibt! Starke Strömung und viel Struktur unter Wasser sind bekanntlich keine Freunde eines Gummifisches am Jigkopf. Wer lieber mit Wobblern arbeitet, sollte von Flachläufern bis Tiefläufern alles im Gepäck haben — schrille und natürliche Farben, mit und ohne Rassel, ruhiges und hektisches Laufverhalten. Angesichts der sich ständig verändernden Verhältnisse lohnt es sich, experimentierfreudig zu bleiben und die Tacklebox entsprechend reichhaltig zu bestücken. Laura selbst fischt an solchen Gewässern nur selten mit Hardbaits, da die Hängergefahr erheblich ist und der Platzbedarf in der Tacklebox schlicht zu gross wäre.

Quelle: Florian Penno
Zusammenfassung
Wir hoffen, dieser Beitrag hat Ihnen einen lebendigen Eindruck vom Angeln an Tidegewässern vermittelt und macht Ihnen Lust, diese besondere Gewässerform selbst einmal auszuprobieren. Haben Sie Fragen? Schreiben Sie sie einfach in die Kommentare — wir helfen gerne weiter. Auch über Ihr Feedback und Ihre eigenen Erlebnisse freuen wir uns jederzeit. In diesem Sinne: Petri Heil und viel Freude am Wasser!
Laura































