Angeln in Westflandern - HechtundBarsch.de

Angeln in Westflandern – Belgiens unbekanntes Raubfischparadies

Angeln in Polderkanälen: Abenteuer auf engstem Raum Du liest Angeln in Westflandern – Belgiens unbekanntes Raubfischparadies 10 Minuten Weiter Wolfsbarsch angeln: Methoden, Köder und die besten Spots

Wie feine Adern durchziehen unzählige Poldergräben die flache Landschaft Westflanderns. Sie fliessen in grössere Polderkanäle, während vereinzelte Seen wie Tupfer auf der Karte liegen. All dieses Wasser birgt kapitale Raubfische – Hechte, Zander und Egli. Gastautor Marco Solar nimmt Sie mit in eine Region, die selbst unter erfahrenen Raubfischern kaum bekannt ist: Westflandern als echtes Anglerparadies direkt an der belgischen Küste.

Raubfischhochburg: Provinz Westflandern in Belgien

Die belgische Provinz Westflandern, auf Niederländisch West-Vlaanderen, beheimatet rund 1,1 Millionen Menschen (Stand Januar 2016) und ist bei Anglern aus dem deutschsprachigen Raum so gut wie unbekannt. Genau das macht sie interessant. Neben den belebten Küstenstädten und den dichter besiedelten Regionen im Inland erstrecken sich einzigartige Polderlandschaften, die ein aussergewöhnliches Angebot an Raubfischgewässern bereithalten. Ein stilles Paradies, das einen näheren Blick mehr als verdient.

Altstadt in Westflandern

Malerische Altstadt in Westflandern mit eindrucksvollen Bauten und teilweise recht breiten Stadtkanälen, die von Brücken durchzogen sind - perfekte Struktur und diverse Hot Spots beispielsweise auf Egli.

In Westflandern wird ein westflämischer Dialekt des Niederländischen gesprochen, daneben versteht man auch Französisch, Englisch und Deutsch. Angelkarten sowie lokale Informationsflyer für Sportfischer sind flächendeckend in allen vier Sprachen verfügbar – ein echter Vorteil, um regelkonform ans Wasser zu gehen. Als Raubfischangler aus dem deutschsprachigen Raum werden Sie dort herzlich willkommen geheissen. Wer kein Niederländisch spricht, kann an den meisten Spots problemlos auf Deutsch nach den besten Fangplätzen und geeigneten Ködern fragen.

Wo kann man in Westflandern angeln?

Auf der Landkarte lässt sich Westflandern grob zwischen den Städten De Panne, Avelgem und Knokke-Heist verorten. Sofort fallen die grossen Kanäle auf, die sich zwischen Nieuwport, Ostende und Damme erstrecken. Entlang dieser Wasserstrassen liegen abwechslungsreiche Polderlandschaften mit einem breiten Spektrum an kleinen bis mittelgrossen Polderkanälen. Genau hier jagen die westflämischen Raubfische – aber auch in den Naturseen und den Flüssen weiter im Landesinneren lohnt sich der Einsatz.

Poldergräben in Westflandern in Richtung Küste

Besonders in Richtung Küste nimmt die Anzahl der kleinen Poldergräben rasant zu. Schier unbegrenzte Angelreviere mit enorm guten Fischbeständen.

Regelungen fürs Angeln

Die Fischereigesetzgebung in Westflandern gibt sich für Sportfischer ausgesprochen liberal. Catch & Release sowie offizielle No-Kill-Regelungen sind nur zwei der angler­freundlichen Aspekte. Beim Zander beispielsweise gelten sowohl ein Mindestmass von 45 cm als auch ein Höchstmass von 75 cm für die Entnahme. Weiter unten erfahren Sie, wo und wie Sie die belgischen Angelscheine unkompliziert erwerben können.

TIPP:
Möchten Sie den belgischen Angelschein über den oben genannten Link erwerben, klicken Sie im Browser einfach auf „übersetzen", um die Seite auf Deutsch anzuzeigen. Folgen Sie dem aufgeklappten Link und füllen Sie das Bestellformular aus. Auf der verlinkten Seite finden Sie ausserdem zahlreiche weitere Informationen und Hinweise.

Raubfisch-Fakten für Westflandern

Im Jahr 2010 führte die Vlaamse Roofvis Federatie (kurz VRF) in Westflandern den sogenannten Snoektelmand durch – übersetzt: „Monat der Hechtzählung". Vizepräsident Joris Willems veröffentlichte dazu ein Dokument mit bemerkenswerten Daten für alle Raubfischangler. Liest man diese Untersuchungsergebnisse heute, beinahe zehn Jahre später, und zieht die durchschnittlichen Wachstumsraten von Hechten, Eglis und Zandern in Betracht, lesen sie sich wie eine echte Schatzkarte. Westflandern ist eine Perle für Sportfischer und eine attraktive Alternative zu den teils stark befischten niederländischen Poldergewässern.

Während des Snoektelmands fingen 80 Testangler in 568 Stunden am Wasser insgesamt 130 Hechte aus den westflämischen Gewässern. Ein beachtlicher Teil der Fänge stammte aus öffentlichen Angelgewässern, die jedem Sportfischer mit dem offiziellen Angelschein zugänglich sind. Weitere Fische wurden in privaten, aber öffentlich zugänglichen Angelseen erbeutet. Optimale Ausgangsbedingungen also für einen gezielten Angelurlaub auf Raubfisch in Belgien – nur wenige Kilometer vom Meer entfernt.

Polderhecht in Westflandern

Diesen Polderhecht konnte Nico auf dem Rodfather in einem spektakulären Drill überlisten. Gebissen auf einen 14cm LMAB KØFI Barsch im Real Perch Dekor. Solche Brummer sind keine Seltenheit in den Poldergräben.

Besonders grosse Hechte

Die Durchschnittslänge aller in den Polderkanälen gefangenen Hechte betrug 63,6 cm – das sind genau 10 cm mehr als der Durchschnitt bei Flusshechten. Unter den 130 Exemplaren befanden sich vier Fische über einem Meter. Der grösste Hecht mass 110 cm in der Gesamtlänge und wäre heute womöglich ein potenzieller Rekordfisch. Er wurde in einem Angelsee nahe eines Ferienparks gefangen.

Sämtliche gefangenen Hechte wurden fachgerecht vermessen und anschliessend schonend zurückgesetzt. Schon seit jeher gilt das ungeschriebene Gesetz, grosse Hechte nicht aus ihren Gewässern zu entnehmen. Für andere Raubfische greifen Fangbeschränkungen, was zur Entwicklung gesunder und stabiler Bestände in den westflämischen Angelgewässern beigetragen hat. Aktuelle Fänge belegen, dass das Durchschnittsgewicht tendenziell steigt – ein echter Geheimtipp für ambitionierte Raubfischangler.

Raubfisch Hot-Spots in Westflandern

Sportfischer finden in Westflandern eine schier endlose Vielfalt an Angelstellen an abwechslungsreichen Gewässern. Zum Angeln in der Region ist ein frei erhältlicher Angelschein erforderlich. Nachfolgend stellen wir Ihnen einige der vielversprechendsten Spots für Hecht, Zander und Egli in den Polderkanälen vor. Die meisten Angelstellen sind gut erreichbar und frei zugänglich.

Gute Angelspots in Westflandern

Potenzielle Hot Spots als Orientierungspunkt für alle, die ggf. noch keine Erfahrungen in Westflandern sammeln konnten. Erwiesene Angelstellen von unserem Gastautor Marco herausgearbeitet.

Oude Vaart

HOT SPOT #1 ist die Oude Vaart bis zur Koolhofvaart zwischen Veurne und Nieuwport. An diesem Abschnitt wurden bereits stattliche flämische Hechte und auch Eglis erbeutet. Weiter nördlich bei Gistel verdienen die Polderkanäle von Grootgeleed ebenfalls einen Versuch. Im grossen Verbindungskanal von Nieuwport werden dagegen vor allem Zander gefangen; Hechte und Eglis zeigen sich hier deutlich seltener.

Gent-Oostende-Kanal

HOT SPOT #2 liegt mitten im Herzen von Westflandern: der Gent-Oostende Kanal. Unterhalb der Schnellstrasse in Richtung Vijfwegen befinden sich die Hot Spots bei der Wachtkom de Steger und de Kalte – ein Wendebecken mit Pumpensystem zur Regulierung der umliegenden Polderkanäle und ein heisser Tipp für alle Hecht- und Raubfischangler.

Damse Vaart

HOT SPOT #3 führt Sie weiter Richtung Norden, wo der Kanal zur Damse Vaart wird. Von Damme bis zur niederländischen Grenze bei Sluis reihen sich weitere vielversprechende Spots aneinander. Alte Baumbestände säumen die Ufer als natürliche Windbarriere, während sich im Wasser weitläufige Seerosenfelder erstrecken. Ein Paradies für Angler.

Roksemput

HOT SPOT #4: Selbst unter einheimischen Raubfischern ist der Angelsee Roksemput bei Jabbeke ein echter Geheimtipp. Der See liegt in einem Naturschutzgebiet und verfügt über lediglich fünf Angelplätze. Wer hier Rückenwind hat und mit einer Segelpose umgehen kann, schickt seinen Hechtköder weit auf den See hinaus und erreicht so die grossen Fische. Welche Techniken an den westflämischen Gewässern besonders erfolgreich sind, erfahren Sie im folgenden Abschnitt.

Angeltechnik in Belgien

Ein wichtiger Hinweis vorab: Das Angeln mit lebenden Köderfischen ist in Westflandern möglich und mit dem entsprechenden Angelschein offiziell gestattet.

Erfahrene Raubfischangler erkennen gute Spots auf Anhieb. Schleusen, Brücken, Seerosenfelder und ähnliche Strukturen lassen das Anglerherz höherschlagen. Beachten Sie dabei unbedingt die ausgewiesenen Sperrzonen rund um einzelne Bauwerke.

Wichtig in den küstennahen Gewässern: Der Salzgehalt sollte möglichst gering sein. Besonders breite Kanäle stehen teils in direkter Verbindung zur Nordsee. An solchen Stellen fangen Angler vor allem Plattfische und Aale – ein gezielter Hechtansitz lohnt sich dort kaum.

Tipps zur Angelausrüstung

Ob mit Natur- oder Kunstköder – für das Raubfischangeln benötigen Sie eine solide Spinnrute sowie eine passende Angelrolle. Sehr ambitionierte Angler setzen für jede Zielfischart eine eigene Rute ein. Für einen ersten Ausflug oder einen kurzen Angelurlaub genügt zunächst eine Rute bis 2,70 m, eine Rolle mit 0,35-mm-Schnur und das passende Vorfach. Ein stabiler Kescher zum sicheren Landen des Fisches gehört in jedem Fall zur Pflichtausrüstung.

Köder und Methoden

Die meisten Gewässer in Westflandern lassen sich in verschiedenen Wasserschichten befischen. Zur Grundausrüstung gehören daher Topwater Baits für die Oberfläche, Gummifische etwa zum Dropshot-Angeln im Mittelwasser sowie Bigbaits für die tieferen Zonen. Ob Sie Ihren Spot von oben nach unten oder umgekehrt absuchen, liegt ganz bei Ihnen – beide Herangehensweisen sind erfolgversprechend.

Ein weiterer Vorteil gegenüber vielen anderen Ländern: In Westflandern dürfen Sie, wie bereits erwähnt, mit lebenden Köderfischen auf die grossen Räuber angeln. Wählen Sie dabei ein hochwertiges Vorfachmaterial, denn kapitale Fische beanspruchen das gesamte Tackle erheblich. Besonders bewährt hat sich die Präsentation des Köderfisches an einer treibenden oder feststehenden Posenmontage. Eine gute Auslösezange als Hakenlöser ist beim Köderfischangeln unverzichtbar.

Angelschein für Westflandern

Den belgischen Angelschein für Westflandern erhalten Sie online oder in jedem lokalen Postamt vor Ort. Es stehen drei verschiedene Angelerlaubnisscheine zur Auswahl. Weitere Informationen zu den einzelnen belgischen Angelscheinen finden Sie über den verlinkten Bereich. Die Erlaubnis für private Raubfisch-Angelseen ist jeweils vor Ort erhältlich – die Abrechnung übernimmt in der Regel morgens ein Fischereiaufseher direkt am Wasser. Alle drei Scheine gelten jeweils für ein Kalenderjahr.

Übersicht Angelscheine in WestflandernJugendfischereischein

Jugendliche bis zur Vollendung des 17. Lebensjahres angeln in Westflandern mit einem Jugendfischereischein. Ein bereits erworbener Angelschein aus dem Heimatland ist dafür nicht erforderlich. Für Kinder und Jugendliche bietet dies eine hervorragende Möglichkeit, die Sportfischerei ohne grosse bürokratische Hürden kennenzulernen.

Kleiner Angelschein für Westflandern

Der reguläre Angelschein richtet sich besonders an Touristen und ist ein weiteres Argument für Belgien als attraktives Angelreiseziel. Er beinhaltet eine vollständige Catch & Release-Pflicht.

Angelschein für Westflandern (gross)

Mit dem grossen Angelschein, dem sogenannten groot visverlof, steht Ihnen ganz Flandern jederzeit offen. Sie dürfen mit lebenden Köderfischen angeln und bis zu fünf Stück am Angelplatz hältern. Dieser Schein berechtigt auch zum Angeln vom Boot auf allen öffentlichen Gewässern – die ideale Wahl für alle, die die flämischen Raubfischgewässer intensiver erkunden möchten.

Übersicht der Angelscheine in Belgien

Angelschein

Anzahl Angeln

Nachtangeln

Boot

lebender Köderfisch

No Kill

Gültigkeit

Jugendfischereischein

2

Ja

Ja

Nein

verpflichtet

1 Kalenderjahr

Angelschein (Klein)

2

Nein

Nein

Nein

verpflichtet

1 Kalenderjahr

Angelschein (Gross)

2

Ja

Ja

Ja

freiwillig

1 Kalenderjahr

Übersicht der drei Angelscheine | Stand 2019
Je nach lokalem Postamt können zusätzliche Bearbeitungsgebühren anfallen. Dies gilt ausschliesslich für den kleinen und den grossen Angelschein. Ihr Name wird notiert, und die Bezahlung ist in der Regel auch mit einer ausländischen Bankkarte möglich. Die Post in Westflandern hat üblicherweise an sechs Tagen pro Woche geöffnet. Über diesen Link erfahren Sie ausserdem mehr zu den Regelungen in Westflandern.

Zusammenfassung

Westflandern ist eine belgische Provinz, die als Raubfischrevier noch längst nicht den Bekanntheitsgrad hat, den sie verdient. Unzählige Gewässer, eine grosse Artenvielfalt und entspannte Angelregeln machen die Region zu einem lohnenden Ziel für Urlaubsangler und Kurztrip-Fans gleichermassen. Wer die Polderangelei liebt und bereit ist, einmal über die niederländische Grenze hinauszuschauen, sollte Westflandern auf keinen Fall übergehen.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und schöne Stunden am Wasser – Petri Heil! Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen, möchten Sie etwas ergänzen oder haben Sie eigene Erfahrungen aus Westflandern gemacht? Teilen Sie Ihre Eindrücke gerne in den Kommentaren – und wenn der Artikel Sie zu einem Ausflug animiert hat, freuen wir uns sehr über ein Fangfoto.

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