Stehende und langsam strömende Gewässer sind in der Schweiz fast ausnahmslos reich an Wasserpflanzen. Seerosen, Wasserlinsen, Laichkraut oder Tausendblatt - wer schon einige Zeit mit dem Kunstköder unterwegs ist, kennt das Thema zur Genüge. Die ökologische Bedeutung dieser Vegetation steht ausser Frage, doch für die Jagd auf Raubfische erscheinen solche Bereiche auf den ersten Blick oft schlicht unbefischbar. Bis vor rund zwei Jahren war das auch für den Autor dieses Artikels so: Zwei, drei Pflichtcasts mit einem Oberflächenköder, dann weiter. Heute sieht das Bild völlig anders aus - genau diese wenig befischten Spots lieferten in dieser Saison einige der stärksten Fische.
Wer die Geschichte des WPC-Sieges von Johannes und Dustin kennt, weiss bereits, welche zentrale Rolle Softjerks und verkrautetes Flachwasser dabei spielten. Im Folgenden erfahren Sie, wie das Beangeln solcher Strukturen taktisch angegangen wird und welches Material dabei den Unterschied macht.
Theorie: Wahl der Spots, Saison und Zielfische
Wassertiefe
Heimische Wasserpflanzen besiedeln neben den direkten Uferzonen je nach Gewässertrübung auch Tiefenbereiche bis zu 10 Metern. All diese Strukturen lassen sich mit den hier beschriebenen Methoden bearbeiten, der Fokus liegt jedoch auf der sogenannten Schwimmblattzone und der Laichkrautzone - also auf Bereichen bis maximal 6 Meter Tiefe, in denen die Pflanzen bis an die Oberfläche reichen und von aussen klar erkennbar sind.
Als befischbar gelten dabei alle Strukturen, bei denen sich zwischen den Pflanzen immer wieder offene Flächen zeigen, in denen der Köder ins Wasser kommt. Friedfische und Insektenlarven sind in solchen Zonen dauerhaft präsent, weil sie dort sowohl Nahrung als auch Deckung finden. Genau deshalb nutzen auch Hecht, Egli und selbst Zander diese Bereiche konsequent als Jagdrevier.
Saison & Wetter
In kleinen, klaren oder flachen Gewässern sind Raubfische hier das ganze Jahr über anzutreffen. In grossen Seen mit ausgeprägter Tiefenstruktur konzentriert sich die Hauptphase auf die Monate Mai bis Oktober - diese Spots sollten Sie in diesem Zeitraum keinesfalls ignorieren. Bei heiteren Wetterlagen mit wenig Wind ziehen sich die Fische besonders stark ins Kraut zurück, sodass sich hier regelrechte Hotspots mit extrem hoher Fischdichte bilden können. Auch warme Wintertage oder die erste Phase nach Ende der Schonzeit eignen sich hervorragend, da sich diese flachen Randbereiche bei Sonneneinstrahlung um 0,5-1 °C wärmer halten als das offene Wasser.
In Seen, deren Tiefenstruktur nicht im Detail bekannt ist, empfiehlt es sich, zunächst das Ufer zu befischen, auf das der Wind steht - diese klassische Regel gilt selbstverständlich auch hier.

Hier ist genug Platz: Solche Spots sollten Sie auf keinen Fall auslassen!
Hardware: Rute, Rolle, Schnur und Vorfach
Die entscheidende Grundregel beim Krautangeln lautet: Der Fisch darf durch die Situation keinem unnötigen Verletzungsrisiko ausgesetzt werden, und er muss sicher gelandet werden können. Das setzt kräftiges, gut abgestimmtes Material voraus. Grosse Fische müssen im Drill aktiv durch Krautlücken gelenkt und permanent an der Oberfläche gehalten werden. Die Schnur schneidet sich dabei zwar durch viele Pflanzen, entscheidend ist jedoch, dass der Fisch keine Möglichkeit bekommt, Vegetation zu umschwimmen - das führt sonst zu unkontrolliertem Zug auf das gesamte System und kann den Fisch verletzen oder zum Verlust führen.
Rute
Die Wahl fällt hier auf eine Hechtrute mit solidem Wurfgewicht. Ist die Aktion modern progressiv oder spitzenaktiv, lassen sich auch leichtere Köder präzise und weit werfen - grosse Distanzen sind beim Krautangeln ohnehin selten gefragt. Die meistgenutzte Rute in diesem Setup ist 2,10 m lang (wobei 2,40 m für die meisten Angler wohl die bessere Wahl wäre), arbeitet mit 50-100 g Wurfgewicht und hat eine progressive, schnelle Aktion.
Rolle
Als Rolle kommt eine leichte Okuma Ceymar C-35 zum Einsatz, bespult mit einer rund 14 kg starken, 8-fach geflochtenen Schnur. Die Bremse kann damit nahezu geschlossen bleiben, was den sicheren Drill durch das Kraut erst möglich macht.
Vorfach
Die Vorfachwahl muss entsprechend robust ausfallen, da jederzeit mit starken Hechten zu rechnen ist, die den Köder auch vollständig inhalieren können. Hechtsicheres Fluorocarbon oder idealerweise Stahl lässt sich per FG-Knoten direkt an die Hauptschnur binden, sodass lediglich am Ende ein Snap benötigt wird - je weniger Verbindungselemente, desto weniger Angriffsfläche für hängenbleibendes Kraut.
Wer vollständig flexibel bleiben und mit einem Wirbel am Ende fischen möchte, sollte das Vorfach grosszügiger bemessen, damit hängendes Kraut möglichst weit vom Köder ferngehalten wird. Knickfreies Vorfachmaterial mit niedrigem Memory-Effekt hat dabei den praktischen Vorteil, dass nach einem Hänger meist kein neuer Knoten nötig ist.
Anwendungshinweis: So starten Sie richtig ins Kraut
Bevor Sie den ersten Wurf setzen, lohnt sich eine kurze Beobachtungsphase vom Ufer aus. Scannen Sie die Vegetation gezielt nach offenen Gassen, Einbuchtungen oder Bereichen, in denen die Blätter etwas auseinanderstehen - das sind Ihre ersten Zielpunkte. Werfen Sie den Köder grundsätzlich in diese Lücken hinein und nicht auf die Blätter, ausser Sie arbeiten bewusst mit einem Offset-Rig, das Sie dann darüber hinwegzupfen. Starten Sie mit einem Köder für leichteren Bewuchs, um das Verhalten der Pflanzen und mögliche Hänger zu testen, bevor Sie ins dichte Heavy Cover wechseln. So schonen Sie Ihr Material und gewinnen schnell ein Gefühl für den Spot.
Köderwahl und -Führung: Von spärlichem Bewuchs bis zum "heavy cover"
Nachfolgend finden Sie die bewährtesten Köder für diese Angelei, jeweils mit ihren Stärken und Schwächen. Der Übersicht halber ist die Auswahl nach Bewuchsdichte gegliedert.
Generell gilt bei dieser Angelei, dass Sie keine überdimensionierten Köder benötigen, um wirklich gute Fische zu überlisten.
Grosse Räuber greifen zwar durchaus auf grössere Beute zurück, doch zu voluminöse Köder lassen sich kaum sauber durch die Vegetation führen, ohne ständig hängenzubleiben. Die besten Ergebnisse wurden bisher mit Ködergrossen bis etwa 12 cm erzielt. Die Erklärung liegt nahe: Kleinere Beutefische leben dauerhaft in diesen Strukturen und stehen damit ganzjährig auf dem Speiseplan aller dort jagenden Räuber. Dazu kommt, dass das Wasser in den relevanten Monaten warm ist - die Fische müssen nicht selektiv rauben.
Köder für wenig Bewuchs
Bei Spots mit vereinzeltem Pflanzenbewuchs oder ausserhalb der Hauptwuchsphasen haben sich vor allem Spinnerbaits, kleine Gummis an Rubber-Jigs sowie Oberflächenköder bewährt. Neben klassischen Sommerpoppern und Stickbaits gehört dabei auch der Whopper Plopper von River2Sea zum bewährten Repertoire. Das Prinzip ist dabei immer dasselbe: Eine krautfreie Gasse ausmachen, den Köder hineinwerfen und kontrolliert durchführen.

Eine Auswahl an Ködern zum Angeln im leichten Kraut
Spinnerbaits funktionieren vor allem zwischen den harten Stengeln von Seerosen und bei grasartigem Bewuchs hervorragend. Der Drahtbügel teilt Hindernisse zuverlässig vor dem Haken, die Druckwellen sind enorm - das macht sie nebenbei auch zu idealen Suchködern. Die optischen Reize lassen sich durch unterschiedliche Trailer bequem variieren. An besonders interessanten oder engen Stellen kann der Spinnerbait nach wenigen Kurbelumdrehungen auch absinken und dann langsam gefaulenzt werden.
Als Trailer für Spinnerbaits und Rubber-Jigs - die idealerweise einen Krautschutz oder Baitholder besitzen - eignen sich schlanke Swimbaits besonders gut, etwa der Keitech Swing Impact oder der Lunker City Swimming Ribster.
Beim Whopper Plopper gilt auf Hecht eine andere Führungstechnik als beim Egli-Angeln: Statt gleichmässig zu kurbeln, empfiehlt sich ein kurzer, kraftvoller Rutenzug kurz vor dem Drehen des Propellers - der Köder spritzt einmal kräftig auf, danach folgt eine Pause von bis zu 5 Sekunden. Die meisten Attacken kommen genau in diesem Moment.

Schöner Stachelritter, der nach einer Fehlattacke auf den Swing Impact im Seerosenfeld zum Glück nochmal nachfasste
Heavy Cover
Ist die Vegetation so dicht, dass zwangsläufig über Blätter hinweggezupft oder durch feine Algenfäden hindurchgefischt werden muss, sind Gummiköder am Offsethaken - sogenannte Softjerks - das Mittel der Wahl. Froschimitate ergänzen das Repertoire in diesem Bereich sinnvoll.
Diese Köder werden mit erhöhter Rutenspitze, variierendem Tempo und gezielten Stopps durch die Vegetation geführt, über Schwimmblätter hinweggezupft und kaum tiefer als 20 cm absinken gelassen. Stellen Sie die Rute nahezu senkrecht, lassen sich Softjerks sogar als reine Oberflächenköder einsetzen, die sichtbare Wellen durchs Kraut ziehen.
Grundsätzlich eignet sich jeder Gummiköder mit einer Kerbe an der Unterseite (Offsettasche) für diese Methode. Mindestens ebenso wichtig ist ein Schwanzteller, der im 90°-Winkel angebracht ist - nur dann arbeitet der Köder auch an der Oberfläche. Teller mit flacherem Winkel werden bei geringem Wasserdruck schlicht widerstandslos mitgezogen. Sobald dieser Zusammenhang verstanden ist, lassen sich auch andere Gummifische gezielt für den Offseteinsatz tunen - dazu mehr am Ende dieses Artikels.

Softjerk-Armee: Links Keitech Easy Shiner und Swing Impacts, daneben die etwas festeren Swimfish von Lunker City und getunte Drunk Baits
Die Wahl zwischen weichen und festen Gummimischungen hängt direkt von der Krauthöhe ab. Weiche Compounds wie der Keitech Easy Shiner oder der (Fat) Swing Impact liefern durch das halbseitige Salzen eine sehr stabile Laufbahn und gute Bissausbeute, lösen den Haken aber manchmal bereits bei Krautkontakt aus. In solchen Situationen ist ein festeres Material die bessere Wahl. Für 3"-Köder passt Hakengrösse 1-1/0, für Köder bis 4" empfiehlt sich 3/0. Beim Aufziehen gilt ausserdem: Die Hakenspitze wird leicht im Gummi versenkt, indem das Material an der Spitze minimal nach vorne gezogen wird. Beim Biss löst sich die Verkantung, der Haken schiebt sich nach oben und setzt sich zuverlässig.

Am frühen Abend oder Morgen kann man sogar Zander direkt im Kraut fangen! Nach einer Fehlattacke auf einen Frosch wechselte ich schnell und der Fisch hing!
Extra: Ködertuning und Drunk Baits als Softjerk
Eine besondere Rolle spielen beim Krautangeln auch Drunk Baits. Ihr Reiz liegt in der breiten Körperform und den Brustflossen, die von unten betrachtet ausgesprochen fischähnlich wirken, sowie im grossen, steilen Schwanzteller, der sich perfekt für das Angeln an der Oberfläche eignet. Die fast popperähnliche Kopfform erzeugt eine Bugwelle aus Luftblasen, die vor allem Hechte konsequent triggert.
Um einen Offsethaken in humaner Grösse - 3/0 passt hier ideal - verwenden zu können, wird unten eine Bauchhöhle bis zur Schwanzwurzel eingeschnitten sowie oben eine rund 1 cm lange Kerbe für die Hakenspitze. Als Orientierung für die Bauchhöhle dient die seitlich sichtbare Naht innerhalb der Brustflossen, die im vorderen Drittel des Köders verläuft. Am Kopf empfiehlt sich zusätzlich eine schmale Kerbe von etwa 0,5 cm Breite und Tiefe. Der Haken sitzt danach vollständig krauttfrei und löst beim Biss sauber aus. Das Auslöseverhalten sollte vor dem Einsatz unbedingt getestet und der Hakenkanal bei Bedarf durch mehrmaliges Auslösen etwas aufgedehnt werden. Das Laufbild mit Offsethaken wird noch taumelnder, die Flankenbewegung des Köders ist extrem lebendig.

OP geglückt - so sollte es in etwa aussehen, wenn Sie mit Drunk Baits ins Kraut gehen.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg, spannende Drills und starke Fische beim Krautangeln. Über Ihre Erfahrungen, Fragen und eigene Tipps in den Kommentaren freuen wir uns.
Viele Grüsse und petri heil, Ihr H&B-Team von hechtundbarsch.ch.


























