Catch and Release? Wissenschaftliche Betrachtung eines der streitbarsten Themen in der Angelszene - HechtundBarsch.de

Catch and Release: Was die Wissenschaft wirklich dazu sagt

Vereinsausschlüsse auf der einen, überfischte Gewässer und ethische Fragen auf der anderen Seite: Kaum ein anderes Thema bewegt die Angelgemeinschaft so nachhaltig wie die Frage, ob gefangene Fische grundsätzlich entnommen oder zumindest teilweise zurückgesetzt werden sollten. Auch ausserhalb der Angelszene verfolgen viele Menschen diese Debatte mit grossem Interesse. Die Anglerschaft steht dabei unter erheblichem rechtlichen, ökologischen und politischen Druck. Früher oder später muss jede Anglerin und jeder Angler die verschiedenen Aspekte gegeneinander abwägen und in dieser grundlegenden Frage eine eigene Position finden.

Diese Aspekte betrachten wir

Was ergibt sich, wenn man emotionale Gesichtspunkte beiseitelegt und das Thema aus einer wissenschaftlich fundierten Perspektive betrachtet? Wie verhält es sich mit rechtlichen Vorgaben, ökologischen Verpflichtungen und den immer wieder kursierenden Berichten über zurückgesetzte Fische, die angeblich verpilzen und qualvoll verenden? Als Biologe und Umweltwissenschaftler liegt ein Blick in die Fachliteratur und einschlägige wissenschaftliche Studien für mich auf der Hand, um die eigenen Einschätzungen kritisch zu hinterfragen und das Verhalten am Gewässer entsprechend anzupassen. Die diesjährige Schonzeit habe ich genutzt, um verfügbare Quellen systematisch auszuwerten, und möchte die gewonnenen Erkenntnisse nun an die Community weitergeben.

Nach einer kurzen und sicherlich nicht abschliessenden rechtlichen sowie begrifflichen Einordnung stehen vor allem die ökologisch-biologischen Aspekte im Mittelpunkt, die sich für unsere Zielfischarten ableiten lassen. Wer Theorie und lange Texte scheut, findet am Ende des Artikels konkrete Empfehlungen für den Umgang mit gefangenen Fischen, die direkt aus der vorliegenden Datenlage abgeleitet wurden.

Der Begriff Catch and Release: Wovon reden hier eigentlich alle?

Um die Relevanz des Themas einzuordnen, lohnt zunächst ein Blick auf die sozioökonomische Bedeutung des Angelsports (Finch, 2006). Während das Fischen vor wenigen Jahrhunderten nahezu ausschliesslich der Nahrungsgewinnung diente, entstand mit zunehmender gesellschaftlicher Differenzierung allmählich die Sportfischerei als Freizeit- und Erholungsaktivität.

Angeln als Sport mit wirtschaftlicher Bedeutung

Heute ist der Angelsport zu einem beachtlichen Wirtschaftsfaktor herangewachsen. In den USA gingen im Jahr 2017 rund 46 Millionen Menschen dieser Freizeitbeschäftigung nach, was eine Wirtschaftsleistung von 115 Milliarden Dollar sowie Fördermittel von 1,7 Milliarden Dollar für Umweltschutzprojekte nach sich zog (vgl. Southwick Associates, 2017). In Deutschland stiegen die Anglerzahlen in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich an; 2017 gingen schätzungsweise vier Millionen Personen diesem Hobby zumindest gelegentlich nach.

Angelvereine gehören nach Fussball- und Tennisvereinen zu den mitgliederstärksten Sportorganisationen Deutschlands (Bundesministerium für Binnenfischerei, 2016).

Eine telefonische Zufallsbefragung mit 474 aktiv angelnden Personen (Arlinghaus, 2004) lieferte folgende Erkenntnisse: Im Jahr 2002 hingen rund 52.000 Arbeitsplätze direkt vom Angelsport ab; der wirtschaftliche Gesamtnutzen belief sich auf etwa 6,4 Milliarden Euro jährlich. Durchschnittlich entnahmen Angler rund 13 kg Fisch pro Jahr, was einem Gesamtertrag von 45.000 Tonnen entspricht.

Bemerkenswert ist ausserdem, dass die Studie das Umweltbewusstsein der Befragten als nur moderat einschätzte, was massgeblich auf die Haltung gegenüber den „negativen Auswirkungen auf Gewässerökosysteme" zurückzuführen war (ebd.). Die Mehrheit der Befragten sprach sich dafür aus, Überfischung durch Besatzmassnahmen oder verbesserte Gewässerqualität zu begegnen, statt das eigene Verhalten zu ändern.

Zurücksetzen wird populärer

Die ersten belegbaren Hinweise auf ein gezieltes Zurücksetzen gefangener Fische stammen aus England vor mehr als hundert Jahren. Als Instrument des Gewässermanagements tauchten frühe „No-Kill"-Zonen erstmals 1952 in Gewässern des Bundesstaates Michigan auf. In Deutschland waren es vor allem Wels- und Karpfenangler, die sich bereits vor Jahrzehnten intensiv mit internationalen Studien zum Wiederfang grosser Fische befassten, die für den Verzehr wenig attraktiv erschienen (vgl. z.B. Finch, 2006). Auch in der deutschen Raubfischangelszene ist das gezielte Zurücksetzen seit mehr als einem Jahrzehnt gängige Praxis, gewinnt aber gerade in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung.

Rechtliche Einordnung: Ist Catch and Release illegal?

Während nahezu alle europäischen Nachbarländer das Zurücksetzen bestimmter Fischarten und Grössenklassen ganzjährig etabliert haben, sehen sich Anglerinnen und Angler in Deutschland häufig mit der Pflicht konfrontiert, massige Fische töten und entnehmen zu müssen. Begründet wird dies vielfach mit überholten Stammtischargumenten nach dem Motto, dass es immer schon so gehandhabt wurde und sich daran nichts ändern solle.

In einigen Vereinsgewässern kann bereits das Mitführen einer Abhakmatte zum Vereinsausschluss führen, da dies auf ein gezieltes Zurücksetzen hindeutet. Jede Diskussion über den Sinn dieser Regelungen wird dabei rasch mit einem angeblich gesetzlichen Verbot abgeblockt.

Tierschutzgesetz in Deutschland

Ein Blick aus rechtlicher Perspektive auf diesen Sachverhalt:

Die Sportfischerei unterliegt zunächst dem bundesweit geltenden Tierschutzgesetz. Dessen §1 TierSchG hält fest, dass Tiere als Mitgeschöpfe zu verstehen sind und ihr Leben sowie ihr Wohlbefinden zu schützen seien. Zudem darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen (TierSchG). § 17 ergänzt, dass mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft wird, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder ihm aus Rohheit erhebliche, länger andauernde oder sich wiederholende Schmerzen oder Leiden zufügt.

Auf diese beiden Paragraphen stützen sich die in den letzten Jahren häufiger gewordenen Klagen gegen Anglerinnen und Angler. Da kaum ein Gericht bestreiten wird, dass das Haken, Drillen und Landen eines Fisches mit Leid, Schmerz oder zumindest Stress verbunden ist, dreht sich die rechtliche Kernfrage um die Auslegung des Begriffs „vernünftiger Grund".

Verzehrabsicht oder Hege und Pflege?

Die aktuelle Rechtsprechung sieht vor allem die Verzehrabsicht als vernünftigen Grund an, der das Angeln legitimiert (vgl. Arlinghaus & Jendrusch, 2005).

Komplizierter wird es, wenn jemand beim Egli- oder Forellenangeln in Verzehrabsicht einen massigen Hecht fängt, den er nicht essen möchte. Fischereiberechtigte tragen darüber hinaus den gesetzlichen Auftrag zur „Hege und Pflege" ihres Gewässers und müssen durch aktives Management für einen naturnahen Zustand und Bestand sorgen, diesen fördern oder erhalten (ebd.: 49).

Fischereigesetze der Länder

Unterhalb des Tierschutzgesetzes regeln die Fischereigesetze der einzelnen Bundesländer die Befugnisse und Verbote für Berufsfischerei und Angelsport. Sie legen den Umgang mit Fischen und Neunaugen, Krebsen, Muscheln und teils auch Fischnährtieren fest; besonders relevant für die Angelpraxis sind die dort fixierten Schonzeiten und Mindestmasse.

Diese Mindestmasse sind jedoch teilweise nicht ökologisch abgesichert, sondern gehen auf eine Zeit zurück, in der Fische nach Gewicht eingestuft wurden. Ein Hecht mit 50 cm Länge bringt im Durchschnitt genau ein Kilogramm auf die Waage. Berechnet wird dies über den sogenannten Korpulenzfaktor.

Ähnliches gilt beispielsweise für Karpfen ab 35 cm Länge, die in einigen Bundesländern die rechtliche Mindestgrösse darstellen. Offen bleibt dabei, ob und wie erfolgreich massige Fische bereits zur Reproduktion beigetragen haben, da die Korrelation zwischen Alter und Länge stark von den spezifischen Gegebenheiten des jeweiligen Gewässers abhängt.

Wann muss zurückgesetzt werden?

Bleiben wir bei der rechtlichen Perspektive:

Das schonende Zurücksetzen gefangener Fische ist in mehreren Fällen ausdrücklich erlaubt oder sogar Pflicht: etwa wenn ein Fisch innerhalb der artspezifischen Schonzeit gefangen wird oder das Mindestmass noch nicht erreicht hat.

Gleiches gilt für ganzjährig geschonte Arten, zum Beispiel wiederangesiedelte Salmoniden. Einige Bundesländer haben für massige, nicht geschonte Fische jedoch eine Entnahmepflicht im Landesrecht verankert, sodass das Zurücksetzen ausserhalb der Schonzeit dort eine illegale Handlung darstellt.

Trophäenangeln vermeiden

Das Angeln allein zum Zweck des Trophäenfangs oder für Fotos wird von den Gerichten sehr kritisch bewertet und birgt das Risiko erfolgreicher Klagen. Mit Blick auf § 17 TierSchG muss die Leidensdauer - Drill, Landung, Abhaken und alles was damit zusammenhängt - sowie deren Intensität so gering wie möglich gehalten werden. Wer gezielt mit leichtem Gerät auf grosse, kampfstarke Fische geht, den Drill bewusst auskostet oder auf den perfekten Kamerawinkel wartet, bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone und sollte dieses Verhalten dringend überdenken.

Auch die gesellschaftliche Akzeptanz des Angelns in der Nicht-Angler-Bevölkerung hängt nachweislich von der Intention der Fischerei ab (vgl. Arlinghaus & Riepe, 2014). Das Zurücksetzen von Fischen aus ökologisch sinnvollen Gründen steht nicht im Widerspruch zu gesamtgesellschaftlichen Moralvorstellungen - das Angeln ohne jegliche Verzehrabsicht hingegen schon.

Welche Gründe gelten als ökologisch sinnvoll, und was passiert mit Fischen nach dem Zurücksetzen tatsächlich? Diesen Fragen widmen sich die folgenden Abschnitte.

Ökologische Perspektive: Catch and Release für die Hege?

Die Müritzfischer in Deutschland machen es vor: In vielen Gewässern der Müritz-Plau GmbH gilt seit einiger Zeit ein sogenanntes Entnahme- oder Küchenfenster für Hechte und Karpfen. Fische müssen also nicht nur oberhalb des Mindestmasses von dort aktuell 60 cm, sondern auch ab einem definierten Höchstmass von 90 cm für Hechte zwingend zurückgesetzt werden, um Laichfische zu schonen.

Wenn man davon ausgeht, dass grosse Fische ökologisch und anglerisch wertvolle Erbanlagen an ihre Nachkommen weitergeben, erscheint dieses Modell als sinnvoller Ansatz. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieses Konzept auch in anderen Regionen durchsetzt - die Voraussetzung dafür ist das Engagement jeder Anglerin und jedes Anglers.

Ethische Perspektive betrachten

Die wohl drängendste Frage ist jene, was mit zurückgesetzten Fischen tatsächlich passiert. Überleben sie die Prozedur? Wie sollte man vorgehen, um die Sterblichkeit so weit wie möglich zu senken? Viele Anglerinnen und Angler handeln hier nach Bauchgefühl; Ratschläge sind in der einschlägigen Medienwelt zwar reichlich vorhanden, aber selten evidenzbasiert, da kaum genug zurückgesetzte Fische erneut gefangen und untersucht werden können. Und selbst wenn ein zuvor freigesetzter Fisch wieder gefangen oder tot aufgefunden wird, ist damit weder eine Kausalität belegt, noch lässt sich ein solcher Einzelfall als belastbare Evidenz heranziehen. Für die meisten Angler gilt daher das Abtauchen des Fisches als entscheidendes Zeichen.

Die internationale Studienlage zum Catch and Release ist mittlerweile recht breit aufgestellt, wenngleich Daten zu heimischen Raubfischen teils schwieriger zu erlangen sind. In einem Artikel der Zeitschrift „Blinker" wurde nach Auswertung von über 100 Studien zu heimischen und nah verwandten Arten eine durchschnittliche Sterblichkeit von 15,6 Prozent der zurückgesetzten Fische angegeben (Blinker, 03/2018). Diese Werte weichen jedoch je nach Art erheblich ab, und die Mortalitätsrate hängt von einer Vielzahl weiterer Faktoren ab. Die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Fisches wird vor allem durch Fangtiefe und Handling bis zum Release sowie die Umweltbedingungen bestimmt und kann im Idealfall nahe 100 Prozent liegen (ebd.).

Im Folgenden werden diese Daten artbezogen dargestellt und, soweit möglich, durch weitere verfügbare Studien ergänzt.

Hecht

Für Hechtartige wird eine durchschnittliche Überlebensrate von 90,4 Prozent ausgewiesen, was bedeutet, dass bei variablen Bedingungen etwa jeder zehnte zurückgesetzte Fisch stirbt. Bei unverletzten Tieren, die schonend behandelt wurden, liegt die Überlebensrate hingegen bei 100 Prozent.

Arlinghaus et al. (2009) untersuchten in einer kombinierten Feld- und Laborstudie die physiologischen Auswirkungen von Catch-and-Release-bedingtem Stress auf Hechte. Im Fokus standen muskuläre Laktatkonzentrationen und zelluläre Energiespeicher als Indikatoren für starke körperliche Belastung sowie die Wiederherstellung normaler Verhaltensmuster. Es stellte sich heraus, dass Hechte bei einer Handlingzeit von bis zu 300 Sekunden ausserhalb des Wassers spätestens nach wenigen Stunden wieder ihr normales Verhalten zeigten (ebd.). Baktoft et al. (2013) kamen zu vergleichbaren Ergebnissen, wiesen jedoch darauf hin, dass die Wassertemperatur die Erholungsdauer beeinflusst, weshalb die Handlingzeit besonders im Sommer deutlich verkürzt werden sollte. Gleiches gilt für die Drilldauer, die bei keiner Fischart länger als unbedingt notwendig sein sollte (Finch, 2006).

Studien zur Hakenposition im Hechtmaul sowie zur Verletzungsintensität zeigen signifikante Zusammenhänge mit der verwendeten Ködergrösse (Arlinghaus et al., 2011). Kleine, weiche Köder unter 75 mm landen häufiger an Kiemen oder im Schlund und verursachen stärkere Verletzungen, während grössere Köder überwiegend am Kiefer haken (ebd.). Dadurch variieren Handlingdauer und Verletzungsgrad erheblich, was sich direkt auf die Überlebensrate auswirkt.

Zander

Zander reagieren am empfindlichsten auf Catch and Release, wobei auch hier Handlingdauer und Fangtiefe die entscheidenden Faktoren sind. Die Art weist eine Mortalitätsrate von 24,6 Prozent auf; umfangreichere Studien am nah verwandten amerikanischen Glasaugenbarsch (Walleye) ergaben eine Rate von 18,6 Prozent. Die Sterblichkeit steigt drastisch, wenn Fische aus Tiefen von mehr als zehn Metern gefangen werden (Barotrauma), lässt sich aber deutlich unter den genannten Wert senken, wenn Fische flach beissen, gut gehakt sind und schnellstmöglich versorgt werden.

Catch and Release: Beim Release stützen

Schonender Release - Dieser tolle Zander wurde an der Schwanzwurzel gehalten, um die Stabilität des Fisches im Wasser beim Release zu wahren

Egli

Auch wenn sich keine Studien direkt zum Europäischen Flussbarsch finden liessen, müssen für diesen als barschartigen Fisch ähnliche Annahmen gelten wie für den Zander. Insbesondere Anatomie und Funktionsweise der Schwimmblase sind mit jener des Zanders vergleichbar, sodass die Fangtiefe auch beim Egli eine erhebliche Rolle spielt.

In einer Untersuchung zum nah verwandten Amerikanischen Flussbarsch (Perca flavescens) fingen Wissenschaftler Fische mit Angelgeräten aus verschiedenen Tiefen und massen deren Erholungszeit. Bei einer Fangtiefe von drei Metern erholten sich 90 Prozent der Tiere in weniger als drei Sekunden; bei sechs Metern Tiefe schaffte dies nur noch ein Drittel der Fische (Klingsheim, 2016). Der Autor hält fest, dass keiner der 240 gefangenen Fische in der Studie starb, die Ergebnisse aber als Hinweis auf dramatisch erhöhten Stress zu werten seien (ebd.). Zudem wird darauf hingewiesen, dass der Europäische Flussbarsch bereits bei Tiefenänderungen von 20 Prozent erste Barotrauma-Symptome zeigt (ebd.).

Nach dem Keschern gefangener Egli sollte der häufig genutzte „Egli-Griff", also das Halten des Fisches an der Unterlippe, vermieden werden, sofern der Fisch nicht vollständig senkrecht gehalten wird. Eine Drehung in die Waagerechte belastet die Strukturen im Nacken- und Rückenbereich erheblich und erhöht die Sterblichkeitsrate.

Catch and Release: Maulgriff beim Barsch

Der Maulgriff - schonend für Mensch und Fisch, jedoch sollte man ein grösseres Exemplar noch im hinteren Bereich stützen.

Salmoniden

Forellenartige Fische gelten gemeinhin als besonders empfindlich, weisen in verschiedenen Studien jedoch ähnliche Mortalitätsraten wie die zuvor besprochenen Arten auf (z.B. Ferguson & Tufts, 1992; Brobbel et al., 1996). Besonders bedeutsam sind bei dieser Gruppe die Wasser- und Lufttemperaturen: Mit steigenden Temperaturen nehmen die Sterblichkeitsraten signifikant zu. Bei Regenbogenforellen zeigte sich ausserdem, dass eine besonders kurze Handlingzeit - Luftexposition unter 60 Sekunden - notwendig ist, um eine hohe Überlebenschance zu gewährleisten.

Zusammenfassung und Leitlinien für die Praxis

Als Fazit lässt sich festhalten, dass Catch and Release rechtlich komplex, aber durchaus legal möglich ist. Die vorliegenden Studien belegen zudem positive Effekte auf die Stabilität von Fischpopulationen, sodass ein Entnahmefenster - wie es in Deutschland leider noch selten praktiziert wird - als ökologisch sinnvoll einzustufen ist. Für einige heimische Zielfischarten existieren wenige oder gar keine belastbaren Daten, und entsprechend valide Experimente sind mit erheblichem Aufwand verbunden. Trotzdem lassen sich klare Handlungsempfehlungen ableiten.

Folgende Punkte sind artübergreifend zu beachten, um sicherzustellen, dass zurückgesetzte Fische den Release langfristig ohne Folgen überleben:

  • Verletzungen so gering wie möglich halten: sparsam mit zusätzlichen Haken umgehen und gegebenenfalls Köder abrüsten oder Widerhaken durch Andrücken entfernen.
  • Die Drilldauer so kurz wie möglich halten - passendes, stabiles Gerät ist dabei keine Option, sondern Pflicht.
  • Die Landung mit einem gummierten Kescher bevorzugen; in diesem kann der Fisch idealerweise noch im Wasser abgehakt werden. Feuchte Abhakmatten schützen die empfindliche Schleimhaut.
  • Handlandungen sind bei entsprechendem Können ebenfalls möglich, dabei dürfen die Kiemen nicht berührt werden, und grosse Fische müssen am Bauch gestützt werden.
  • Die Exposition an der Luft muss, wenn überhaupt notwendig, auf ein absolutes Minimum reduziert werden.
  • Kleine Fische sind empfindlicher als grosse - untermaassige Fänge am besten noch im Wasser freilassen.
  • Beim Zurücksetzen ist der Schwanzwurzelgriff im Wasser die sicherste Methode, bis der Fisch von allein wegschwimmt.
  • Tiefsitzende Haken sollten gekappt werden - langwierige Entfernungsversuche erhöhen die Sterblichkeit mehr als ein im Fisch verbleibender Haken.
  • Extreme Wassertemperaturen, ob warm oder kalt, sollten möglichst gemieden werden.

Catch and Release: Schwanzwurzelgriff bei Forelle

Schonender Release: Die Forelle wird im Schwanzwurzelgriff gehalten, bis sie davon schwimmt.

Ich hoffe, Sie konnten aus diesem Artikel hilfreiche Anregungen für die kommende Angelsaison mitnehmen, und freue mich sehr auf Ihr Feedback! Falls Sie Vorschläge für weitere Themen haben, die aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtet werden sollten, hinterlassen Sie gerne einen Kommentar.

Petri, Ihno

Quellen:

  • Arlinghaus, R. (2004): Angelfischerei in Deutschland - eine soziale und ökonomische Analyse. Abgerufen unter: https://www.researchgate.net/profile/Robert_Arlinghaus/publication/285343697_Recreational_fisheries_in_Germany_-_A_social_and_economic_analysis/links/56c58fba08ae736e7047bfbd.pdf
  • Arlinghaus, R.; Jendrusch, K. (2005): Catch & Release - Eine juristische Untersuchung. In: Agrar- und Umweltrecht, Heft 2, 48-51.
  • Arlinghaus, R.; Cooke, S. J.; Gingerich, Andrew; Klefoth, Thomas; Suski, Cory (2009): Physiological and behavioural consequences of catch-and-release angling on northern pike (Esox lucius L.). In: Fisheries Research Vol. 93/3, 223-233.
  • Arlinghaus, R.; Klefoth, T.; Kobler, A.; Cooke, S. J. (2011): Size Selectivity, Injury, Handling Time, and Determinants of Initial Hooking Mortality in Recreational Angling for Northern Pike: The Influence of Type and Size of Bait. In: North American Journal of Fisheries Management Vol. 28/1.
  • Arlinghaus, R.; Riepe, C. (2014): Einstellungen der Bevölkerung in Deutschland zum Tierschutz in der Angelfischerei. In: Berichte des IGB, Heft 27.
  • Baktoft, H.; Aarestrup, K.; Berg, S.; Boel, M.; Jacobsen, L.; Koed, A.; Pedersen, M.W.; Svendsen, J.C.; Skov, C. (2013): Effects of angling and manual handling on pike behaviour investigated by high-resolution positional telemetry. In: Fisheries Management and Ecology Vol. 20/6.
  • Brämick, U. (2015): Jahresbericht zur Deutschen Binnenfischerei und Binnenaquakultur. Abgerufen unter: http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/EU-Fischereipolitik-Meeresschutz/JahresberichtBinnenfischerei.pdf?__blob=publicationFile
  • Brobbel, M.; Wilkie, M.; Davidson, K.; Kleffer, J.; Bielak, A.; Tufts, B. (1996): Physiological effects of catch and release angling in Atlantic salmon (Salmo Salar) at different stages of freshwater migration. In: Canadian Journal of Fisheries and Aquatic Sciences 53 (9).
  • Ferguson, R.; Tufts, B. (2011): Physiological Effects of Brief Air Exposure in Exhaustively Exercised Rainbow Trout (Oncorhynchus mykiss): Implications for „Catch and Release" Fisheries. In: Canadian Journal of Fisheries and Aquatic Sciences 49 (6).
  • Finch, O. (2006): Catch and Release - wissenschaftlich betrachtet. In: carp connect, Heft 26/2006, 36-39.
  • Klingsheim, B. J. (2006): Influence of Depth and Retrieval Speed on Yellow Perch - Barotrauma Recovery Time in Winter. Abgerufen unter: https://pdfs.semanticscholar.org/7dfc/f59cecb1940185d422a4cc8d21f6601ac635.pdf
  • Southwick Associates (2017): Economic Contributions of Recreational Fishing: U.S. Congressional Districts. Abgerufen unter: http://asafishing.org/wp-content/uploads/ASA-Congressional-District-Fishing-Impacts-Report-115th-Congress.pdf

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden vor dem Veröffentlichen geprüft.

Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.