Kennen Sie diese frustrierenden Angeltage, an denen die Bisse rar gesät sind und die wenigen Kontakte dann auch noch im Nichts verpuffen, weil die Fische unter Wasser mit geradezu chirurgischer Vorsicht ans Werk gehen? Besonders Zander haben die Gabe, absolut deprimierend behutsam zu beissen. Gut, stünde man selbst auf dem Speiseplan, würde man es wohl genauso halten. Trotzdem: Gerade in Gewässern wie der Elbe sind es die wuchtigen, harten Einschläge der Zander, die das Angeln so unvergesslich machen. Die Antwort auf überaus vorsichtige Räuber liegt häufig in einem einzigen Zusatzhaken: dem Angstdrilling (englisch: Stinger - denn Anglizismen gehören zum Angeln wie das Wasser zum Fisch). Zander, Hecht und gelegentlich auch der Egli gehören zu jenen Räubern, die so zögerlich attackieren, dass ein zusätzlicher Drilling zur absolut sinnvollen Waffe aus dem Angelzubehör wird - und dazu passend:
„Ein Kaktus ist doch auch nichts anderes, als eine schwer bewaffnete Gurke."

So wird der Angstdrilling gebaut
Baumaterialien für die Angsthakenmontage
Bevor es ans Bauen geht, steht das Zusammenstellen der Materialien. Ohne die richtige Ausrüstung ist selbst die beste Anleitung wertlos.- Fluorocarbon Schnur - Stärke 0,50 bis 0,60 mm. Dieses Material ist vielseitig einsetzbar, sodass Sie nicht für jede Anwendung eine eigene Schnur vorhalten müssen.
- Quetschhülse für die Fluorocarbon Schnur - Als einfache Faustformel gilt: Wählen Sie Klemmhülsen mit dem doppelten Durchmesser der Schnurstärke, da die Schnur zweimal hindurchgeführt werden muss.
- Stahl-Schnur - Hierbei ist die Tragkraft entscheidend, nicht der Durchmesser. Damit der Angsthaken auch bei einem kapitalen Fisch zuverlässig funktioniert, setze ich auf Stahl mit einer Mindesttragkraft von 15 Lbs. - identisch zur Wahl beim Stahlvorfach.
- Quetschhülse für die Stahl-Schnur - Für die Hecht-Variante gelten dieselben Regeln wie beim Fluorocarbon. Stahl ist bei Hecht obligatorisch - sonst würde das gesamte Konzept des Stahlvorfachs ad absurdum geführt.
- Quetschhülsenzange - Wer noch keine besitzt, sollte unbedingt in ein Modell mit zwei Hülsenaussparungen und mindestens 4 Druckpunkten je Aussparung investieren.
- Zollstock oder Maßband - Für ein sauberes Abmessen der gewünschten Stingerlänge.

Eine kleine Box für die fertigen Stinger ist eine wunderbare Organisationsmöglichkeit
Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Angsthakenmontage
Vorbereitung

Und so gehen Sie nun vor:
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Länge des Stingers bestimmen
Wenden Sie die oben beschriebene Formel an und notieren Sie die ermittelte Länge für den gewählten Gummifisch. -
Erst den Drilling, dann die Öse
Nehmen Sie etwas Schnur von der Rolle ab. Nehmen Sie ruhig etwas mehr als nötig, denn der erste Schritt ist der Aufbau am Drilling - abgeschnitten wird erst später. - Nehmen Sie das Schnurende und schieben Sie die passende Klemmhülse auf die Schnur.
- Führen Sie anschliessend die Öse des Drillings auf die Schnur.
- Nehmen Sie das Schnurende und schieben Sie es von der gegenüberliegenden Seite wieder durch die Klemmhülse zurück - so entsteht eine einfache Öse, in der die Öse des Drillings liegt. Ein kleines Bisschen Spiel ist hier durchaus gewünscht: Es erleichtert das spätere Positionieren des Drillings im Gummifisch und vermindert eine zu starke Einbuchtung durch den Stinger.
- Nehmen Sie die Klemmhülsenzange zur Hand und legen Sie die Hülse mit der Schnur in die passende Aussparung ein. Erhöhen Sie den Druck leicht, sodass die Hülse nicht verrutscht, aber noch nicht endgültig gepresst ist.
- Jetzt lässt sich die Schnur noch feinjustieren - das ist wichtig, damit am Ende nur ein kleiner Schnurrest aus der Klemmhülse herausschaut, der Ihnen als Orientierung dient.
- Sobald alles korrekt sitzt, erhöhen Sie den Druck auf die Zange bis zum spürbaren Anschlag - ein Druck mit leichter bis mittlerer Kraftanstrengung genügt.
- Da der Drilling nun fixiert ist, gilt es die vordere Öse zu bilden, die später über den Einhänger des Jigkopfs gesteckt wird. Auch hier gilt eine klare Regel: Die Öse nur so gross machen, dass sie gerade eben über den Einhänger passt. Eine zu grosse Öse kann über den Einhänger rutschen - die Schnur hängt zwar noch am Vorfach, ist im Wasser aber deutlich auffälliger.
- Nun benötigen Sie Massband oder Zollstock: Messen Sie vom Ende des Drillings entlang der Schnur die notierte Länge zuzüglich 20 mm ab und schneiden Sie dort die Schnur ab.
- Führen Sie die zweite Klemmhülse auf die Schnur.
- Nehmen Sie das freie Schnurende und führen Sie es von der gegenüberliegenden Seite erneut durch die Klemmhülse - die Öse formt sich dabei bereits.
- Legen Sie die zweite Klemmhülse in die passende Aussparung der Zange und erhöhen Sie den Druck leicht für eine letzte Feinjustierung.
Wichtig: Hier zählt ausschliesslich die Gesamtlänge - ob ein paar Millimeter Schnur in Richtung Drilling aus der Hülse herausschauen, ist unerheblich, denn diese werden im Anschluss abgeschnitten. - Sobald alles optimal positioniert ist, erhöhen Sie den Druck auf die Klemmhülse wie zuvor beschrieben.
- Als letzten Schritt schneiden Sie die überstehenden Schnurenden an beiden Klemmhülsen sauber ab - und Ihr Stinger ist fertig!
Zusammenfassung
Einen Stinger selbst zu bauen ist weniger aufwendig, als es zunächst erscheint - und er kann Ihnen so manchen Räuber an den Haken bringen, der sonst entkommen wäre!
- Von Chris von Tideritter.deÜber den Autor: Vor mehr als 30 Jahren nahm das Schicksal seinen Lauf, als mein Vater mich mit nach Irland zum Angeln nahm. Dort zeigte er mir, wie man Hechte fängt und ich war sofort begeistert. Seitdem angle ich auf Raubfische und wenn es mal auf Friedfisch losgeht, dann sind es die Karpfen unserer Gewässer, denen nachgestellt wird.































