Kennen Sie diese frustrierenden Angeltage, an denen die Bisse rar sind und die wenigen, die kommen, spurlos ins Leere laufen? Besonders Zander sind dafür bekannt, Köder mit einer geradezu paranoiden Vorsicht zu inspizieren, bevor sie sich zu einem Biss entschliessen - oder eben nicht. Wer jemals die wuchtigen Einschläge von Zandergn an einem Gewässer wie der Elbe erlebt hat, weiss, wie befriedigend ein sauberer Anhieb sein kann. Die Lösung liegt in vielen solcher Situationen auf der Hand: ein Angstdrilling - im englischen Fachjargon als Stinger bezeichnet. Zander, Hecht und gelegentlich auch der Egli gehören zu jenen Raubfischen, die so zögerlich beissen, dass ein zusätzlicher Drilling an der Montage schlicht notwendig wird. Und nebenbei gesagt:
„Ein Kaktus ist doch auch nichts anderes, als eine schwer bewaffnete Gurke."

Für Zander und Egli setzt Chris auf einen Angstdrilling aus Fluorocarbon. Beim Hecht hingegen kommt dasselbe Material zum Einsatz wie für das restliche Vorfach - und das ist in diesem Fall feiner Stahl.
So wird der Angstdrilling gebaut
Wenn Sie gerade keine Zeit zum direkten Nachbauen haben, können Sie diese Schritt-für-Schritt-Anleitung auch später als Referenz nutzen. Alles, was Sie dafür brauchen, ist hier vollständig aufgeführt.
Baumaterialien für die Angsthakenmontage
Bevor es losgeht, steht die Materialliste. Ohne die richtigen Komponenten lässt sich die beste Anleitung nicht umsetzen.
Sie benötigen:
- Fluorocarbon-Schnur - Stärke 0,50 bis 0,60 mm. Eine universell einsetzbare Stärke, mit der Sie nicht für jede Anwendung eine separate Spule vorhalten müssen.
- Quetschhülse für die Fluorocarbon-Schnur - Die bewährte Faustformel lautet: Wählen Sie Klemmhülsen in der doppelten Schnurstärke, da die Schnur zweimal hindurchgeführt wird.
- Stahl-Schnur - Relevant für die Hecht-Variante. Massgeblich ist nicht die Dicke, sondern die Traglast: Für einen Angstdrilling, der auch bei grossen Exemplaren hält, empfiehlt sich Stahl mit einer Mindesttragkraft von 15 Lbs. - analog zu einem regulären Stahlvorfach.
- Quetschhülse für die Stahl-Schnur - Für die Hecht-Montage gelten dieselben Auswahlregeln wie beim Fluorocarbon. Stahl ist beim Hechtangeln obligatorisch, da das Stahlvorfach sonst keinen Sinn ergibt.
- Quetschhülsenzange - Wer noch keine besitzt, sollte in eine Zange mit zwei Hülsenaussparungen und mindestens vier Druckpunkten je Aussparung investieren.
- Zollstock oder Massband - Für ein sauberes Abmessen der gewünschten Stinger-Länge unverzichtbar.

Eine kleine Box für die fertigen Stinger ist eine wunderbare Organisationsmöglichkeit
Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Angsthakenmontage
Vorbereitung
Damit der Angstdrilling in der für Ihre Köder passenden Länge herauskommt, legen Sie am besten je ein Exemplar jeder Gummifisch-Grösse aus Ihrer Box bereit. Die Positionierung des Stingers ist entscheidend: Sitzt er zu weit hinten, beeinträchtigt er das Spielverhalten des Köders empfindlich. Sitzt er zu weit vorne, verfehlt er seinen Zweck vollständig.
Als praktische Orientierung dient folgende Formel (als Richtwert zu verstehen - prüfen Sie, ob sie für Ihren spezifischen Köder passt):
Länge (mm) des Gummifisches + 10 / 3 x 2 = Länge des Stingers (mm)
Beispielrechnung:
Ihr Gummifisch ist 100 mm lang:
100 + 10 = 110 / 3 = 36,67 x 2 = 73,34
(Abgerundet also 7 cm)
Die Logik dahinter ist simpel: Der Drilling soll am Beginn des letzten Drittels Ihres Gummifisches positioniert sein, damit die Montage optimal greift. Bei einem 10-cm-Köder ergibt das eine Stinger-Länge von rund 7 cm inklusive Drilling. Die zusätzlichen 10 mm in der Formel repräsentieren den Abstand von der Jigkopf-Öse bis zum Beginn des Gummifisches. Gerechnet wird in Millimeter, weil es schlicht einfacher ist. Und diese Kalkulation erledigen Sie nur einmal pro Köder-grösse - ausser natürlich, eine neue Grösse kommt in Ihrem Sortiment hinzu.
Ein Hinweis für die Fälle, in denen ein Raubfisch konsequent nur den Schwanz attackiert: Dagegen ist leider kein verlässliches Mittel gewachsen.

Gummifisch in ca. 10 cm Länge - Der Angstdrilling sitzt am Anfang des letzten Drittels
Und so geht es jetzt:
- Länge des Stingers bestimmen
Wenden Sie die oben beschriebene Formel an und notieren Sie die errechnete Länge für den gewählten Gummifisch. - Erst den Drilling, dann die Öse
Nehmen Sie etwas Schnur von der Spule ab. Schneiden Sie noch nicht - nehmen Sie lieber etwas mehr ab, da zunächst der Drilling angelegt wird. - Fädeln Sie das Schnurende in die passende Klemmhülse ein.
- Führen Sie anschliessend die Öse des Drillings auf die Schnur.
- Nehmen Sie das Schnurende und schieben Sie es von derselben Seite erneut durch die Klemmhülse zurück, aus der Sie gerade herausgekommen sind. So entsteht eine einfache Öse, in der die Drilling-Öse liegt. Ein kleines Mass an Spiel ist hier durchaus gewünscht, um den Drilling später leichter im Gummifisch platzieren zu können.
- Legen Sie die Hülse mit der Schnur in die passende Aussparung der Quetschhülsenzange. Erhöhen Sie den Druck leicht, sodass die Hülse nicht mehr verrutscht, aber noch nicht endgültig gecrimpt ist.
- Korrigieren Sie die Schnurposition jetzt - nur ein sehr kleiner Rest sollte aus der Klemmhülse herausschauen. Dieser dient Ihnen als Orientierung und verhindert Fehler beim finalen Crimpen.
- Wenn alles optimal sitzt, erhöhen Sie den Druck der Zange bis zum Anschlag (leichte bis mittlere Kraftanstrengung).
- Nun muss die vordere Öse geformt werden, die später über die Einhänge-Öse des Jigkopfes gesteckt wird. Wichtig: Machen Sie diese Öse nur so gross, dass sie gerade über den Einhänger passt. Eine zu grosse Öse erhöht das Risiko, dass die Schnur über den Einhänger rutscht und der Stinger im Wasser auffällig wird.
- Nehmen Sie jetzt das Massband zur Hand und messen Sie vom Ende des Drillings entlang der Schnur die notierte Länge plus 20 mm ab. Schneiden Sie an diesem Punkt die Schnur ab.
- Fädeln Sie die zweite Klemmhülse auf das freie Schnurende.
- Führen Sie das freie Ende direkt von der anderen Seite erneut durch die Hülse - die vordere Öse bildet sich dabei automatisch.
- Legen Sie die zweite Klemmhülse in die Zange und erhöhen Sie den Druck leicht. Jetzt gilt die Gesamtlänge als Massgabe: Überstehende Schnur in Richtung des Drillings wird im Anschluss abgeschnitten - das beeinflusst die Endlänge also nicht mehr.
Wichtig: Stellen Sie sicher, dass die Gesamtlänge stimmt, bevor Sie endgültig crimpen. - Erhöhen Sie den Druck auf die zweite Klemmhülse wie bereits beschrieben.
- Schneiden Sie abschliessend alle überstehenden Schnurenden bündig ab. Ihr Stinger ist fertig.
Anwendungshinweis
Damit Ihr selbst gebauter Stinger im Einsatz auch das hält, was er verspricht, lohnt sich ein kurzer Funktionstest vor dem Einsatz: Ziehen Sie kräftig an beiden Ösen und am Drilling, um die Klemmhülsen-Verbindungen zu prüfen. Ein sauber gecrimpteter Stinger hält problemlos den Drill eines starken Zanders oder Hechts aus. Lagern Sie Ihre fertigen Stinger sortiert nach Länge in einer kleinen Box - so haben Sie beim nächsten Ausflug am Wasser immer die passende Grösse zur Hand, ohne lange suchen zu müssen.
Zusammenfassung
Einen Stinger selbst zu bauen ist weniger aufwendig, als es auf den ersten Blick erscheinen mag - und er kann Ihnen so manchen Räuber retten, der sonst nur kurz schnuppert und wieder verschwindet.
- Von Chris von Tideritter.de
Über den Autor: Vor mehr als 30 Jahren legte eine Irland-Reise mit seinem Vater den Grundstein für eine lebenslange Leidenschaft. Dort lernte Chris das Hechtangeln kennen - und war sofort gefangen. Seitdem gilt seine Jagd den Raubfischen. Wenn es mal auf Friedfisch geht, dann sind es die Karpfen der heimischen Gewässer, denen er nachstellt.


























