Der Drewitzer See liegt mitten in Mecklenburg-Vorpommern und gehört zur weitläufigen Müritzer Seenplatte. Für Berliner Angler ist er ein praktisches Reiseziel, das sich in knapp unter zwei Stunden bequem ansteuern lässt. Was diesen 650 Hektar grossen See so besonders macht: Am gesamten Ufer steht lediglich ein einziges Gebäude - Erich Honeckers einstige Jagdhütte. Von diesem Rückzugsort aus unternahm der DDR-Staatsratsvorsitzende mit ausgewählten Gästen seine Jagd- und Angelexkursionen. Unbefugten Personen war der Zugang strikt untersagt. Genau dieser historische Umstand hat dazu geführt, dass sich hier heute ein nahezu unberührtes Angelparadies erhalten hat. Das gesamte Areal steht unter Naturschutz, und Motorboote sind auf dem See nicht erlaubt.
Wer lebt im Drewitzer See?
In der legendären „Hütte" ist heute das Viverde Hotel untergebracht. Der in der Eiszeit entstandene Drewitzer See besitzt eine geologische Besonderheit, die ihn von den meisten Gewässern der Region unterscheidet: Er hat keinerlei Verbindung zu den zahlreichen umliegenden Seen und Flüssen. Diese natürliche Isolation erlaubt es Flora und Fauna, sich vollkommen ungestört zu entfalten. Wer hier seine Leine auswirft, blickt in aussergewöhnlich klares Wasser mit Tiefen von bis zu 33 Metern. Das Nahrungsangebot für Raubfische ist beeindruckend: Stinte, Rotfeder, grosse Maräne, Brassen und Rotauge bevölkern den See - und wahrscheinlich noch weitere Arten. Für Hecht und Egli sind das geradezu paradiesische Bedingungen. Genau deshalb haben wir uns auf den Weg gemacht.
Es geht los: Boot mieten
Die Ausgangslage war zunächst alles andere als einfach. An den ersten beiden Angeltagen liessen sich die Fische kaum überlisten, der Fang blieb sporadisch und weit unter den Erwartungen. Der Wendepunkt kam an einem Montag nach dem Frühstück: Wir schnappten uns das gemietete Ruderboot des Hotels und steuerten zielstrebig in Richtung der sogenannten „Vogelinsel". Diese kleine Insel liegt ungefähr in der Mitte des Drewitzer Sees und dient geschützten Vogelarten als Brutplatz. Rund 50 Meter südöstlich davon erstreckten sich grosse Krautfelder in Tiefen zwischen 1,5 und 4 Metern - ein Spot mit enormem Potenzial. Hier warfen wir die Anker aus und bereiteten uns auf das vor, was kommen sollte.
Unsere Ruten und Köder
Daniel hatte sich vor der Reise eine neue Rute gegönnt: eine Berkley Urban-Camo mit einem Wurfgewicht von 7 bis 28 Gramm und einer Länge von 1,95 Metern - eine klassische Medium-Aktion-Rute. Dieser Tag sollte ihr erster echter Praxistest werden. Daniel montierte an einem 40 Zentimeter langen Hartmonofilvorfach einen 12 cm Fox Quiver Shad in Dunkelbraun. Sein Hauptziel war klar: Hecht. Ich griff zu meiner Crypton Shotgun LM 270 von Quantum und machte mich an die Köderwahl - für mich immer eine Frage des aktuellen Wetters und der daraus resultierenden Wassersichtbarkeit.
Meine persönliche Präferenz liegt grundsätzlich bei kleineren Gummiködern. Als ich dann den richtigen entdeckte, war die Entscheidung sofort gefallen: ein Lunker City Fin-S-Fish in 10,2 cm, Farbe Pumpkinseed/Chartreuse. Ich wollte Daniel eine Wette anbieten, dass ich damit fangen würde - doch er war so überzeugt von seiner eigenen Methode, dass er ablehnte.
Anwendungshinweis
Der Lunker City Fin-S-Fish ist ein vielseitiger Softjerk, der sein volles Potenzial auf einem leichten Jigkopf (2-5g) entfaltet. Die Kombination aus einer unregelmässigen Stop-and-Go-Führung mit kurzen Twitchern provoziert reaktive Bisse, auch wenn die Fische zögerlich sind. Gerade in glasklarem Wasser wie dem Drewitzer See ist eine natürliche Farbe wie Pumpkinseed oft der Schlüssel zum Erfolg. Wenn Chartreuse-Anteile im Köder vorhanden sind, profitieren Sie zusätzlich bei wechselnden Lichtverhältnissen.
Erfolgreich: Unser Fang
Der erste Wurf sass. Kaum war der Köder im Wasser, hatte ich den ersten Egli am Haken - 26 Zentimeter, makellos. Nach Vermessung und dem obligatorischen Foto wurde er sorgfältig zurückgesetzt. Daniel und ich praktizieren konsequentes Catch & Release, kein Fisch verlässt das Wasser dauerhaft. Noch bevor ich den nächsten Wurf vorbereitet hatte, bog sich Daniels Rute deutlich durch. Als erfahrener Angler erkannte er an der Bisscharakteristik sofort: Hecht. Er liess den Fisch sorgfältig auspowern, um ihn anschliessend schonend mit der Hand ins Boot zu nehmen - ohne unnötigen Stress für den Fisch.
Die Hechte des Drewitzer Sees zeigen eine auffällig goldene Körperfärbung und wirken vergleichsweise kräftig gebaut. Nach diesen ersten ereignisreichen zehn Minuten war klar, dass dies kein gewöhnlicher Angeltag werden würde. In den folgenden zwei Stunden landeten wir gemeinsam rund 6 Hechte und 5 Egli - alle in solider Grösse, aber ohne absolute Kaliber darunter.
Dennoch war es für mich persönlich ein ganz besonderer Tag: Ich konnte meinen persönlichen Rekord einstellen. Als noch relative Anfängerin mit dieser zweiten richtigen Angelsaison hatte ich im Vorjahr auf dem Berliner Schlachtensee einen Hecht von 67 Zentimetern gefangen - und an diesem Tag im Drewitzer See übertraf ich mich um genau 2 Zentimeter. Wer darüber schmunzelt, dem sei gesagt: Diese Freude ist absolut berechtigt.
Rückkehr im Regen
Als der Regen urplötzlich einsetzte, befanden wir uns natürlich am denkbar ungünstigsten Ort - vom Hotel aus gesehen am entgegengesetzten Ende des Sees. Ohne Motorunterstützung bedeutete das nur eines: Ruder in die Hand und durchbeissen. Vor allem für Daniel. Da unsere Route jedoch an sämtlichen Lieblingsspots vorbeiführte, warfen wir trotzdem noch mehrfach Anker und gönnten uns ein paar zusätzliche Würfe. Das Schilf rauschte inzwischen lautstark im auffrischenden Wind, die Wolkendecke hing schwer und dunkel, und die Strömung arbeitete konsequent gegen uns. Doch die Aussicht auf warmen Schokokuchen mit Eis und Daniels Rehrücken trieb uns zuverlässig voran. Am Ende ruderten wir zufrieden und angenehm erschöpft ans Ufer zurück. Schlechtes Wetter gibt es nicht - nur schlechtes Essen.

























