Ein Erlebnisbericht von Daniel Andriani, aus einer Fantasiesprache ins Deutsche übersetzt von Toni Wehn
Was ist die Predatortour?
Seit 2009 bringt die Predatortour einmal im Jahr, jeweils Ende Mai, europäische Raubfischangler zusammen. Bei diesem internationalen Turnierformat messen sich die Teilnehmer vom Boot aus im Hecht-, Egli- und Zanderangeln – ein Wettkampf, der seinesgleichen sucht.
Ort
Austragungsort ist das Rhein-Maas-Delta in den Niederlanden, konkret das Hollands Diep und das Haringvliet. Der Startschuss fällt jedes Jahr unter der Brücke am Europarcs Resort Biesbosch, wo die Boote der Teilnehmer ebenfalls stationiert sind.
Teilnehmer
Geangelt wird immer in Zweierteams vom Boot. Weil Toni (noch) keine Ambitionen fürs Turnierangeln hegt, machte sich Daniel auf die Suche nach einem geeigneten Partner – und wurde in Roman von Rheinland-Boote/Bullseye Fishing schnell fündig. Das Gesamtfeld umfasste 120 Boote mit insgesamt 240 Anglern. Zur starken Besetzung zählten unter anderem die YPC-Teilnehmer Enrico Di Ventura für Westin (Zweiter 2018), Didi Isaiasch für Quantum, Herbert Ziereis für die Fisch&Fang, Jan Pusch für Mercury (Zweiter 2017) sowie Freunde wie Johannes Dietel für Shimano, Pierre Johnen für Spro (Champion 2017) und Ugis Gross für Zielfisch. Ein Starterfeld, das kaum kompetitiver hätte sein können.
Modus
Das Turnier erstreckt sich über drei aufeinanderfolgende Wettkampftage von Donnerstag bis Samstag, mit einer täglichen Angelzeit von 8 bis 16 Uhr. Pro Teilnehmer können jeweils drei Hechte, drei Zander und drei Egli in die Wertung gebracht werden – ausschliesslich mit Kunstködern gefangen. Schleppen war erlaubt. Die Reihenfolge ist klar geregelt: Erst wenn alle drei Hechte gefangen sind, zählen die Zander, und erst wenn Hechte und Zander komplett sind, gehen die Egli in die Wertung. Wer alle neun Wertungsfische an die Hand bekommt, erhält 1000 Extrapunkte und sichert sich zugleich die Qualifikation für das Folgejahr.
Die Vorbereitung
Dank einer Kooperation mit Rheinland-Boote stand für die diesjährige Turniersaison ein Ranger VS1782 bereit – ausgestattet mit Technik von Humminbird, Minn Kota und Talon. Das Boot musste abgeholt, eingefahren und die Technik vollständig verinnerlicht werden. Ausserdem galt es, die Gewässer kennenzulernen. Das Haringvliet war Daniel vom Vorjahr bereits bekannt, das Hollands Diep hingegen komplettes Neuland. Da Roman beruflich stark eingebunden war, begleitete Toni – der aus dem YouTube Predator Cup bereits einige Spots an beiden Gewässern kannte – das Training, um tatkräftig zu unterstützen und neue Köder-Prototypen zu testen.
Den letzten Trainingstag vor dem Startschuss haben die beiden in einem kleinen Video dokumentiert:
Der erste Wettkampftag
Da die Wetterprognose für den Auftakttag die stärksten Winde des gesamten Turniers voraussagte, lautete der Plan: zuerst die drei Wertungszander an den nähergelegenen Spots des Hollands Diep sichern. Roman und Daniel steuerten die im Training mit Toni erarbeiteten Stellen an und jiggten konsequent auf Zander. Nach einer gewissen Anlaufzeit lagen die drei Wertungszander im Boot – ergänzt durch einen sehr willkommenen Beifang-Egli.
Mit knapp zwei Stunden verbleibender Zeit wurde ein Hechtspot angesteuert, und per Spinnerbait gelang es, zumindest einen kleinen Esox aufs Scoreboard zu bringen. Damit standen bereits fünf von neun Wertungsfischen. Da die drei Hechte noch nicht komplett waren, zählten Zander und Egli in der Wertung zu diesem Zeitpunkt noch nicht – das Team lag im Tableau weit hinten, aber das spielte zu diesem Zeitpunkt keine Rolle. Köder des Tages war ein KØFI Egli 11 cm in der Prototyp-Farbe Natural Perch, auf den gleich drei Zander angebissen hatten. Diese Farbe hatte sich bereits im Training als absoluter Ausreisser erwiesen und soll im Herbst auch im Angelladen verfügbar sein.
Der zweite Wettkampftag
Die Aufgabe für Tag zwei war klar definiert: zwei Hechte und zwei Egli mussten her. Der Morgen begann denkbar frustrierend – Roman verlor direkt am Boot einen Meterfisch, Daniel kurz darauf einen Hecht um die 70 cm. Der Schock sass tief. Dennoch dauerte es nicht allzu lange, bis zwei kleinere Hechte auf Jigspinner die drei Wertungshechte komplettierten.
Anschliessend rückte der Egli in den Fokus – der wohl schwierigste Wertungsfisch des gesamten Turniers. Bereits im Training hatten sich viele Teilnehmer an den Eglin die Zähne ausgebissen, und auch Roman und Daniel hatten alles andere als leichtes Spiel. Zahlreiche Spots wurden abgefahren, in stundenlanger Arbeit gelang lediglich ein einzelner Egli – dazu immerhin noch ein Hecht und ein Zander, die jeweils die Punktzahl leicht verbesserten. Den dritten Egli schien es partout nicht geben zu wollen, bis ein Wechsel auf das Dropshot-Rig 17 Minuten vor Schluss die Erlösung brachte (siehe Foto).

Dieser Fisch sicherte dem Team nicht nur die 1000 Zusatzpunkte, sondern auch die Qualifikation fürs nächste Jahr. Hastig wurde noch die Zanderstelle vom Vortag angesteuert, und weiterhin am Dropshot konnten in kürzester Zeit drei weitere Zander überlisted werden – zwei davon verbesserten die Wertung noch einmal leicht.
Im Gesamtranking arbeiteten sich die beiden damit auf Platz 47 vor. Klar war jedoch: An Tag drei würden viele Teams ebenfalls ihre Zusatzpunkte holen und das Tableau nochmals durcheinanderwirbeln. Um die Position zu halten oder auszubauen, waren mindestens zwei starke Hechte nötig – ein grosser Egli hätte ebenfalls nicht geschadet. Köder des Tages war ein KØFI Ukelei 15 cm in Electric Chicken am Dropshot-Rig.
Der dritte Wettkampftag
Der Abschlusstag ist schnell zusammengefasst. Die Bedingungen für die geplante Hecht-Jagd hätten kaum ungünstiger sein können: nahezu Windstille, keine Beisslaune bei den Esox. Egal welche Variante ausprobiert wurde – grosse Köder, kleine Köder, Gummifische, Wobbler, Spinnerbaits oder Jigspinner – kein Hecht zeigte Interesse. Es war zudem der letzte Jahrgang der Predatortour, bei dem Schleppen noch gestattet war; rückblickend wäre das vielleicht eine Option gewesen. Am Ende des dritten Tages standen lediglich zwei punktverbessernde Fische auf dem Zettel: ein Egli und ein Zander, beide erneut auf den KØFI Ukelei am Dropshot. Im Endergebnis bedeutete das einen Rückfall auf Platz 70.
Siegerehrung & Fazit
Bereits nach dem zweiten Tag hatte das französische Duo Lionel Chevalier und Tristan Poulain ein Scoreboard hingelegt, das den Mitbewerbern ehrfürchtigen Respekt abverlangte. Am dritten Tag legten sie zwar nur minimal nach, das reichte aber vollauf für den Gesamtsieg. Drei Egli über 46 cm, Hechte zwischen 95 und 111 cm sowie Zander von 64 bis 89 cm – ein Ergebnis, das den Titel mehr als verdient hatte.
Rang zwei belegten ebenfalls Franzosen: Die Brüder Kevin und Jordan Hernandez konnten gleich drei Hechte jenseits der Metermarke vorweisen, und auch die Egli mit 42 bis 47 cm waren stark. Was ihnen im Vergleich zu den Siegern fehlte, war ein wirklich grosser Zander. Den dritten Platz erkämpften sich Nils Gabsa und Marcel Asbroek – die am Ende von Tag zwei noch ohne einen einzigen Egli dagestanden hatten – dank eines Zanderschnitts von 73 cm und einem 125 cm messenden Hecht.
Aus dem Kreis der Bekannten schnitt Herbert Ziereis am stärksten ab: Der YouTube-Predator-Cup-Teilnehmer erreichte mit Partner Birger Domeyer Platz 6. Dietmar Isaiasch fing mit 125,7 cm den grössten Fisch des gesamten Turniers (siehe Foto) – für ihn und Daniel Katzorek bedeutete das Platz 15. Jan Pusch und Daniel Brce landeten auf Rang 29, Enrico Di Ventura und Frank Bussmeyer auf Platz 47 – ein solides, für den ehrgeizigen Enrico aber sicherlich kein Wunschergebnis.
Egli-Experte Johannes Dietel, zweifellos einer der besten Angler Deutschlands, kam mit Shimano-Teamangler Olli Gumbel und dem wohl schnellsten Boot des Feldes lediglich auf Platz 116 von 120. In drei Tagen biss ihnen kein einziger Egli an – obwohl sie im Training noch zahlreiche gute Egli fangen konnten. Ein eindrücklicher Beleg dafür, dass Angeln niemals vollständig planbar ist und die Fische stets das letzte Wort behalten. Das vollständige Endergebnis finden Sie HIER.
Zusammenfassung
Rückblickend bleibt das Gefühl, dass nach dem starken zweiten Tag durchaus mehr möglich gewesen wäre – aber diesen Gedanken kennen wohl die meisten Turnierangler. Unterm Strich wurde das Hauptziel, die Qualifikation fürs Folgejahr, relativ komfortabel erreicht. Der Verlauf war lehrreich und motivierend zugleich. Bereits Ende Juni wartet das nächste Kapitel: Daniel tritt gemeinsam mit Frédéric Jullian bei der WPC auf denselben Gewässern an – diesmal mit Kameramann Juli an Bord. Freuen Sie sich auf hoffentlich spannende Videos!
Bis bald!
Ihr Daniel































